Die Wettkampfpiloten im PCS sollen ja einen Bericht von ihren Erlebnissen
einbringen, wie die Reisenden ihre Tourberichte.
Doch dieses Jahr weiss ich gar nicht recht, wo ich anfangen soll: Es gab so
viele Highlights, dass es schwer ist, ein Einzelnes davon herauszupicken.
Also gebe ich Euch einfach mal einen Überblick, wie so ein Jahr eines
engagierten Wettkampfpiloten aussehen kann.
Tip: Alle Titel unten linken zum ausführlichen DHV Bericht, wenn ihr mehr
wissen wollt. Falls ihr es gerade auf Papier lest, ist hier die Adresse wo ihr
alle Links finden könnt:
http://www.dhv.de/typo/Live-Berichte.2806.0.html
Mein Wettkampfjahr fing dieses Jahr schon sehr früh an mit der:
Weltmeisterschaft in Mexiko
im Januar. (<- Click für mehr
Infos)
Hier nehmen die Nationalmannschaften aus 44 Ländern teil:
insgesamt 150 Piloten - bunter als bei allen anderen Events!
In den 3 Wochen, die wir dort waren hatten wir soviele Erlebnisse, dass man hier
kaum ein paar Highlights nennen kann. Die Bedingunen dort waren für viele
Piloten ungewohnt, weil man aus dem hiesigen Winter, völlig Thermik-Entwöhnt in
starke Frühjahrsthermik kommt. Einige Piloten bekamen dabei Probleme: bei 10
Tasks die im Schnitt 100km lang waren, kommen einfach sehr viel
Streckenkilometer mit teilweise
anspruchvollen Geländestellen zusammen, auf
denen leider auch manchmal etwas passiert. Es gab einen tragischen Unfall, über
den die Medien viel berichteten, und der die Diskussion in den Wettkampf-Gremien
das ganze Jahr über bestimmte: Bei jeder der nachfolgenden Veranstaltung wurde schon dieses Jahr
alles getan, um auf mehr Sicherheit zu achten. Nächstes Jahr sollen noch weitere
Änderungen umgesetzt werden.
Für mich persönlich war die Fliegerei in Mexiko sicher mit das schönste, was ich
bisher erlebt habe. Ich bekam dort auch meinen neuen Flügel für die Saison,
einen Gin Boomerang 6, der erst wenige Tage zuvor aus der Nähmaschine kam. Er
war anfangs leicht gewöhnungsbedürftig, doch entpuppte sich später als stabilste
und schnellste Flügel, den ich bisher geflogen bin: Besonders bei weit
gedrücktem Beschleuniger war der Schirm unglaublich stabil. Doch das sollte ich
erst während des Jahres lernen. In Mexiko flog ich sehr konservativ um nichts zu
riskieren: Da es bei der WM keine Streichergebnisse gibt, durfte man sich keinen
Patzer erlauben. Und dies gelang mir auch: Trotz Montezumas Rache, die mir die
ersten 3 Tage die Zeit in der Luft zur Hölle machte, kam ich jeden Tag ins Ziel,
meist in den 20ern.
Endergebnis war dann ein 9. Platz bei meiner ersten WM und zweitbester
Deutscher.
Weiter ging es dann an Ostern mit der jährlichen
Trofeo Montegrappa in Bassano
(<- Click für mehr Infos)
Hier hatte ich letztes Jahr gewonnen, und wollte meinen Titel gerne verteidigen. Ich fühlte mich auch gut vorbereitet durch 3 Wochen Training in
Mexiko. Doch schon der erste Tag lief ziemlich schlecht für mich, weil ich
grössere Wolkenabstände einhielt als so mancher "Local" und mitten im Task in
wenigen Metern höhe über dem Hangfuss kratzte. Erst nach dem 4. Task stand ich
wieder ganz oben auf der Liste und auf dem Treppchen :-)
Moselopen (<- Click für mehr Infos)
Die Mosel Open ist eine Landesmeisterschaft des DHV, bei der die Piloten aus der
Region an das Wettkampffliegen herangeführt werden sollen. Ähnlich wie bei der
Bawü Open bei uns in Oppenau. Fúr mich war es mehrein Schnupperfliegen in dieser Region: Ich hatte schon so
viel Positives über die tolle Stimmung bei diesem Event gehört, dass ich das
auch mal selbst erleben wollte.
Vom Ergebnis her lagen auch hier Glück und Pech eng beisammen: An 2 von 3 Tasks hatte ich die
beste Zeit, aber die Mosel hat so ihre Tücken: Allzuschnell steht man mal
am Boden, so auch ich am 2.Tag, als ich nur vom Start zum Landeplatz kam.
Dennoch war es ein interessantes Gelände mit schönen Ausblicken und sicher ein
Tip auch für alle reiselustigen Piloten aus dem PCS, mal nach Norden, statt
immer nur nach Süden zu fahren.
Pre-Europameisterschaft-Abtenau (<-
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Eine Pre-EM dient nicht etwa dazu, sich für die Europameisterschaft zu
Qualifizieren, wie die meisten Leute annehmen, sondern das Gebiet und die
Organisation qualifiziert sich. Die Organisation machte denn auch einen äusserst
professionellen Eindruck, und das Gebiet erlaubt spannende Aufgaben. Ich freue
mich schon sehr, dort nächstes Jahr die EM mitfliegen zu dürfen :-)
Doch nun begann das Jahr erst so richtig:
Die Weltcup-Serie (PWC = Paragliding-World-Cup) ist der Treffpunkt der
weltbesten Piloten, und die versammelte Pilotenqualität ist dort noch höher als
bei der Weltmeisterschaft. Im PWC gab es dieses Jahr die grössten Veränderungen:
Musste man bisher für einen Gesamtsieg an 5 fixen Events in aller Welt
teilnehmen, konnte man sich dieses Jahr an einem der Events für das
PWC-SuperFinal im September qualifizieren, an dem dann der PWC-Champion erflogen
wird. Ich liess dieses Jahr also die beiden Übersee-Events in Brasilien und
Korea aus und nahm nur an den Europäischen Events teil. Das erste davon war der:
World-Cup Türkei in Pamukkale
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Ich hatte von Pamukkale schon in meiner Kindheit Bilder von malerischen weissen
Sinterterassen gesehen. Doch dass ich mal irgendwann direkt über den Terassen
fliegen, und an einem Wettkampf teilnehmen würde, hatte ich damals nicht gedacht! :-)
Das Gebiet gefiel mir sehr gut: ein Flachlandkessel umgeben von Bergen. Das
Tal auf 300m, die Basis teilweise bei 4000: Besser kann es kaum sein für
vielfältige Streckenaufgaben.
Eine weitere Änderung im PWC ist, dass man nun auch innerhalb eines WochenEvents
einen Streicher bekommt. Ich flog zwar ziemlich fehlerfrei und wäre nach der
Regelung wie sie bei allen anderen Wettbewerben gilt Punktbester auf Platz 1
gewesen. Nachdem Andere dann ihre Patzer streichen konnten blieb es "nur" ein 5.
Platz - immerhin mein Bestes Ergebnis in so einem grossen Event.
World-Cup Frankreich in Annecy
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Im wunderschönen Annecy traf sich kurz darauf die ganze Weltcup-Meute wieder, um
diesmal im satten Frühlingsgrün gemeinsam zu fliegen. Die Landschaft dort hat
mich wieder verzaubert wie bei meinem ersten Besuch: der smaragdfarbene See
zwischen den schneebekappten Bergen und grünen Wiesen und Wälder: Unglaublich!
Als ich dann noch eine wunderbare Frau dort kennenlernte, fiel mir die
Entscheidung nicht allzuschwer, künftig mehr Zeit hier zu verbringen. Und so
tippe ich auch diesen Bericht mit einem Blick der eher am Bildschirm vorbei
geht, auf den See nur wenige Meter vor meinem Fenster. Wie man sieht:
Wettkampffliegen macht glücklich, nicht nur in der Luft! ;-)
World-Cup Kroatien in Buzet (<-
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Hier hatte ich dann aber gleich erstmal eine Woche lang nur Pech: Weil ich
schon 4 gute Ergebnisse dieses Jahr für meine Kaderrang- und Weltrangliste in
der Hand hatte, wollte ich hier auf "Alles oder Nichts" fliegen: Das Gebiet war
dann aber zu launisch und jeden Tag landeten viele Grüppchen von Top-Piloten auf
dem Weg zum Ziel. Es wäre besser gewesen sehr konservativ zu fliegen. Doch das
weiss man immer erst hinterher ;-)
Deutsche Meisterschaft / German Open
(<- Click für mehr Infos)
Die Deutsche Meisterschaft in Lienz in Österreich war zugleich auch der
einzige Ligawettkampf, da alle anderen Termine, die wir uns gesetzt hatten
ausgefallen waren. Es war schön, endlich mal wieder mit all den Freunden aus
Deutschland zu fliegen, die man über die Jahre kennengelernt hat.
Ich kannte das
Gebiet nicht, aber war voll motiviert und trainiert, und flog gleich mal auf den
1. Platz am ersten Tag. Die nächsten Tage belauerten sich dann besonders Marc
Wensauer und ich, da wir einen grossen PunkteVorsprung hatten. Am Abschlusstag
haben wir uns zu sehr auf einander konzentriert und standen fast am Boden mit
einer Gruppe guter Piloten. Aber einer von jenen, die eine Chance auf den Titel
hatten, hatte dann doch eine andere Route genommen: Peter Jung bekam so den
ersten Platz und für Marc und mich blieben die anderen Treppchenplätze...
World-Cup Superfinal in Poggio Bustone (<-
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Das PWC-Superfinal wurde, wie oben erwähnt, dieses Jahr zum ersten Mal abgehalten.
Alle "Legenden" der
Wettkampfgeschichte, also alle Piloten, die mal eine Weltmeisterschaft, oder
einen GesamtWeltCup gewonnen haben wurden hier ebenso eingeladen wie die
Top-Piloten aus den PWC-Events der Saison. Hier wurde auch spannende
Innovationen erstmal präsentiert, z.B. der Boom 7 von Gin und besonders
natürlich die Ozone Protos mit nur 2 Leinenebenen und Carbonstäbchen im Segel.
Der Event lief 2 Wochen, um
möglist viele Tasks zu bekommen und so einen gerechten Sieger zu ermitteln.
Leider spielte das Wetter nicht mit, und so wurden es nur 4 Tasks, davon einer,
der sehr viel Glück brauchte: Nachdem ich nach 2 Tagen auf dem zweiten Platz
stand, und nach 3 Tagen auf dem dritten Platz, kam dann ein Task, der 110 von
den 130 Piloten "frass", inklusive mir. So wurde es auch hier leider
nichts mit dem Treppchen...
Die Schlussabrechnung der Saison kam dann im Oktober, als alle Ergebnisse in den
Listen aufgenommen waren. Das Resultat hat mich richtig happy gemacht, denn ich
habe nun erreicht, was ich mir vor 4 Jahren erträumt hatte, als ich mit der
Wettbewerbsfliegerei begonnen habe: Der
Platz 1 in Deutschland
(und damit in der Nationalmannschaft)
und ein Platz 5 in der Weltrangliste
:-)
Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr
weiter so gut läuft, und vielleicht hat ja der eine oder andere Lust
bekommen auch mal in die Wettbewerbsfliegerei reinzuschnuppern. Die
German Open mit den Bawü Open sind zum Beispiel ein guter Einstieg!
Hiermit wünsche ich Euch Allen eine entspannende Winterzeit in der ihr
wieder jede Menge Fluglust und Ideen für neue Reiseziele sammeln könnt!
Liebe Grüsse,
Euer Ulli
PS: Mehr Infos über mich, auch im
nächsten Jahr, findet ihr immer wieder hier :
www.UlrichPrinz.de
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