Werfenweng [15. - 22. August 2010] Drucken
Geschrieben von: Ronald   
Montag, den 06. September 2010 um 21:28 Uhr

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Teilnehmer v.l.n.r. ; Ronald (Bericht), Simone,  Holger,  Anke,  Susanne, Christian, Jens, Wolfgang (TO), Karin, 

Am Schluss stand es 3:4 in einem wilden Kampf zwischen einem fiesen, allesverregnenden Tiefdruckmonster über Mitteleuropa und einem kleinen, aber tapferen Hochdruckeinflüsschen südlich des Alpenhauptkamms. Wenigstens zum Ende der Woche gelang diesem schließlich ein glücklicher Vorstoß nach Norden und bescherte uns allen vier sehr schöne Flugtage in einem ausgesprochen hübschen Fluggebiet um das Örtchen Werfenweng am Fuße des Tennengebirges ca. 50 km südlich von Salzburg.

Aber der Reihe nach:

SONNTAG / angetäuscht
Bei prallstem Sonnenschein unter einem knalleblauen Himmel lassen wir die Sache gemütlich angehen. Die TOs Karin & Wolfgang hatten sowohl unser aller Pension 'Haus Kathrin' als auch Fluggebiet und Umgebung einige Wochen zuvor ausgiebig erkundet und nutzen den Nachmittag für eine kleine Besichtigung inklusive Landeplatzeinweisung und gemütlichem Eisessen im Barbarahof am Fuß der Seilbahn. Leider sollte das für die kommenden drei Tage das letzte Mal gewesen sein, dass wir den Landeplatz im Sonnenschein gesehen haben. Schon beim Abendessen (Wenger Alpenhof, lecker) war's vorbei mit der Herrlichkeit und der Regen legte los.

MONTAG (1:0) / eisige Riesen
Das Wetter ist bescheiden und die Vorhersage nicht besser. Starker Westwind am Alpenrand und Regen lassen nicht ans Fliegen denken. Wir machen uns auf den Weg zur weltweit größten Eishöhle, der 'Eisriesenwelt' bei Werfen, mit einer Gesamtlänge von 42 km (!), von denen der erste Kilometer über steile Treppen mit insgesamt ~700 Stufen unter kundiger Führung erklommen werden kann. Die Abmessungen der Höhle(n) sind riesig. Müsste ich einen James Bond-Film drehen, hätte mein Bösewicht genau hier seine Basis. Gigantisch (und saukalt)!
Wieder draußen empfängt uns... DIE SONNE. Aber halt, es reicht nur für einen kleinen nachmittäglichen Imbiss auf der Sonnenterrasse der Seilbahnstation (ja, zur Höhle geht's mit 'ner Seilbahn). Kaum wieder am Auto öffnet der Himmel erneut seine Schleusen. Die nächste und auch letzte Attraktion des Tages bleibt das Abendessen im Zistelberghof (lecker, schon wieder).

DIENSTAG (2:0) / Salzburger Nokerln mit Red Bull
Werfenwenger Wetter lügt nicht. Ehrlicher Regen am Morgen mit Nullsicht auf den Startplatz. Der richtige Tag also, um den von Karin und Wolfgang hoch gelobten Kasburger..äh.. Salznokerln..hmm.... Salzburger Kasnokerln...nein, ohne Kas.... SALZBURGER NOKERLN sowie deren schöner Heimatstadt einen Besuch abzustatten. Zuvor geht's zum Salzburger Airport, genauer zum HANGAR 7, unter dessen Dach sich der Limo-Hersteller RED BULL ein schickes Museum eingerichtet hat, in dem neben F1-Boliden verschiedener Jahrgänge, Flugzeugen noch verschiedenerer Jahrgänge, gewaltigen bronzenen Bullen-Plastiken auch eines der Welt schönsten Damen-Klos zu finden ist (wie mir unsere Damen in Ekstase versicherten).
Unser Weg führt uns weiter nach Salzburg. Im Auge eines Touristen-Tornados suchen wir nach der sagenumwobenen Nokerlnquelle und... werden fündig. Ein riesiger Berg aus Eischnee und Zucker türmt sich vor uns auf. Heldengleich gelingt es uns ihn gemeinsam niederzuringen, aber noch im Freudentaumel über das Geleistete werden wir Zeugen eines denkwürdigen Rekords. Am Nachbartisch gelang es einem Österreicher, ganz allein, ohne jegliche Hilfe, bloß durch die pure Kraft seines Willens ein VOLLSTÄNDIGES Nokerl zu vertilgen. Ein einmaliger Vorfall während seiner 25 Dienstjahre, wie der Wirt allen Anwesenden versicherte, als er dem neuen Rekordhalter einen Schnaps aufs Haus spendierte. Wer das Salzburger Nokerl kennt, weiß, dass er den gebrauchen konnte :-) .
Neben Kunst aus Gurken (!) im Museum der Moderne, der Rettung eines kleinen Jungen vor der Kollision mit einem Geländewagen (Danke, Anke!) und dem Wiedersehen mit meinem Jugendheld Barbapapa hielt dann der Abend daheim ein weiteres Highlight bereit: Ripple und Krustenbraten beim 'Hascht' (saulecker, muss man vorbestellen!).

MITTWOCH (3:0) / Wandertag! Flugtag?
Oha, Frühstück ohne Regen, allerdings auch ohne Sonne und ohne Sicht auf den Startplatz. Jens schultert trotzdem den Packsack und macht sich auf den Weg zur Seilbahn. Heute Abend wird er tatsächlich einige Flüge gesammelt haben. Wir anderen machen uns auf den Weg auf den Bischling. Zu Fuß! Nach Stunden am Gipfel empfängt uns... Regen. Und Jens, der auf eine Regenpause wartet und mit einem Abgleiter bis vor die Pension schließlich belohnt wird. Runter mit der Seilbahn, ab zum Supermarkt und Nudeln gekauft. Heut Abend wird kochen gelassen (Danke, Anke!)!

DONNERSTAG (3:1) / auftriebsloses Federvieh
Wetter schaut schon besser aus. Zumindest im Modell. Vor dem Fenster gibt's noch Regen. Ein Grüppchen macht sich auf dem Weg zur Burg Hohenwerfen zur Greifvogelschau. Mehr als ein paar müde Hofrunden sind den gefiederten Kollegen aber nicht zu entlocken. Der Falkner weiß auch den Grund: Bei diesem Wetter fehle der Auftrieb! Na sowas!
Das Wetter wird besser. Die Sonne kommt 'raus. Wir entschließen uns noch an der Burgführung teilzunehmen, in der Hoffnung, dass sich das schöne Wetter stabilisiert und die Westseite des Bischlings für heute Nachmittag ordentlich aufheizt. Kennt ihr übrigens das Gefühl, während einer Burgführung auf der denkbar engsten Stiege zu einem Glockenturm zwischen zwei Touristengruppen (bomben)festzusitzen ohne dass was vorwärts geht, und draußen entwickeln sich vielleicht super Flugbedingungen??
Wir rasen zurück, werfen uns ins Flugoutfit und eilen zur Seilbahn. Tatsächlich gelingen heute die ersten Abgleiter. Mehr scheint bei dem nassen Boden noch nicht drin zu sein. Abendessen wieder im Wenger Alpenhof (lecker reloaded).

FREITAG (3:2) / Flugtag!
Tolles Wetter, Thermik noch mäßig. Nette Flügle um das Gelände kennen zu lernen. Gegen 16:30 Uhr dann 'lodert' die Thermik. Erste Flüge zur Basis.
Für Speis und Trank ist dann abends auf der Magdegg-Alm gesorgt. Wieder lecker, aber es sei der Hinweis erlaubt, dass der Zustieg durch den Wald zur Alm vom Wanderparkplatz aus rund 20 Minuten in Anspruch nimmt und für Pömps tragende Damen eher als Herausforderung gelten muss. Insbesondere der abendliche oder nächtliche Abstieg ist ohne Lampe zum Scheitern verurteilt. Glücklicherweise ist der 1. PCS für alles gerüstet!

SAMSTAG (3:3) / Spitzen-Flugtag!
Super Wetter, aber frühe Wolken schatten zunächst ab. Ab 14:00 Uhr herrschen  beste Bedingungen mit hohen Steigwerten, in der Höhe etwas turbulent. Basis bei ~ 2500 m. Fliegen so lange man will, yeah!
Abends zieht es Jens und Holger hinauf zum 1. Freien internationalen Film Festival für den Weltfrieden auf die Bischlinghöhe. Hierfür wurden abends am Weststartplatz eine Leinwand und Liegestühle aufgebaut. Zu sehen gibt es kurzfilmische Kleinode, u.a. natürlich zum Gleitschirmfliegen, dazu ein Lagerfeuer mit Musik und Tanz. Einige der Jungs und Mädels, die in einem Film übers Akro-Fliegen zu sehen waren durften wir gestern und heute auch schon live beim Training bewundern. Zum Schluss gönnen sich einige Besucher einen nächtlichen Abgleiter, während die Übrigen von der Seilbahn wieder sicher ins Tal befördert werden. Davon hat der Rest unserer kleinen Gruppe aber nichts mitbekommen. Wir sitzen nämlich wieder beim Hascht, hauen uns die Wampe voll und füttern eine echte, uralte Jukebox mit Kleingeld um Lieder zu hören, zu denen schon unsere Eltern nicht mehr getanzt haben. Mit dem Nazareth-Klassiker „Love Hascht“ auf den Lippen treten wir erschöpft aber zufrieden den Heimweg an.

SONNTAG (3:4) / Schöner Flugtag zum Abschied!
Mit schönen Flügen geht eine tolle Ausfahrt zu Ende.

Trotz des Wetters hatten wir eine lustige, spannende und entspannende Woche, die von den TOs Karin und Wolfgang mit Herzblut vorbereitet wurde. An dieser Stelle noch einmal besten Dank an die beiden, und viele Grüße an alle, die dabei waren! Und natürlich hoffe ich, dass Karin und Wolfgang am Ball bleiben, und die Tour nächstes Jahr wieder anbieten. Ich melde Simone und mich hiermit an :-) !

Kurz zum Flugberg BISCHLING:
Das ganze ist landschaftlich äußerst reizvoll gelegen. Es gibt drei Startplätze auf ca. 1900 m (O, S, W), von denen der Ost- und der Südstartplatz Wind brauchen, da sie ziemlich kurz sind. Die Startplätze liegen wenige Meter entfernt von der Seilbahn, direkt neben dem Weststartplatz gibt's eine große Hütte mit noch größerer Terrasse, auf der für reichlich Speis und Trank gesorgt ist. Der Weststartplatz ist groß genug für drei Gleitschirme nebeneinander und hat eine komfortable Länge. Ich bin von einer einheimischen Pilotin vor dem Südstartplatz gewarnt worden, da dieser bei thermischen Bedingungen entweder durch Ablösungen von links (Ostflanke des Berges) oder rechts (Westflanke) überspült werden kann. Da soll's wohl schon einige Unfälle gegeben haben.
Der Landeplatz ist riesig und praktisch nicht zu verfehlen, auch wenn's immer mal wieder ein Pilot schafft.
Während unserer Anwesenheit haben zwei Flugschulen geschult, das fliegen einer Volte (Rechtsvolte im Normalfall) schadet also nicht. Vom Landeplatz ist's ein Fußmarsch von 5-10 Minuten zur Seilbahn. Eine Tageskarte gibt's für 22 € inkl. Start- bzw. Landegebühr.

Ronald

Und hier gibts noch richtig tolle Bilder...