Greifenburg [06.04. - 10.04.2010] Drucken
Geschrieben von: Martin   
Donnerstag, den 15. April 2010 um 23:41 Uhr

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Teilnehmer (v.l.n.r.): Frank, Rainer, Rudolf, Michael S., Wolf, Martin (TO und Bericht), Ewald, Steffen
sowie nicht auf dem Foto Stefan Li. und Tanja

Dazu Eintagesbesucher aus Sillian: Markus L., Mats und Rüdiger sowie Birgit und Simone
Sowie "Inkognito-PCS-ler" mit z.T. beachtlichden OLC-Flügen: Ulrich B., Tobias und Oliver

Vom durchaus sonnigen, aber verblasenen Sillian machte sich der Großteil der Greifenburg-Teilnehmer und Eintagesbesucher am Dienstag früh über Lienz auf ins knapp 70 km entfernte Fliegereldorado unterhalb der Emberger Alm. Unsere Vermieter, ein Hamburger Rentnerehepaar, erläuterte uns Haus- und Parkregeln und ließ uns dann trotz früher Stunde auch schon Gepäck deponieren. Leider war unser "Privat"-Taxifahrer unterwegs, so dass wir gegen 11 Uhr zum Abfahrtsplatz der allgemeinen Fliegertaxis am Camping- / Landeplatz fuhren. Da lagen schon etliche Flexis, Starrflügler und auch GS-Säcke herum. Wir kamen aber dank hoher Anzahl und Frequenz der "Taxler" erfreulich schnell weg (6 € / Auffahrt). 150 m vor dem unteren Drachen- und GS-Winterstart war die Straße blockiert, der Weg mit Bändern abgesperrt. Das Ganze begleitet von einem Wachposten mit schußbereitem Fotoapparat (zur Dokumentation eventueller "Blockade-Brechern"). GS-Flieger konnten mit etwas Entschlossenheit und nach obligatorischem Beweisfoto weiteren Belehrungsvorträgen entrinnen und die letzten Meter zu Fuss erklimmen. HG-ler (und weniger entschlossene GS-ler) "durften" sich individuelle Lektionen in lokaler Dünhofer-Rechtsauffassung geben lassen, bevor schlußendlich das Fliegertaxi von Wolfgang Sattlegger von oben aus zur Hilfe eilte. Alles bestens geeignet für einige Folgen der Fernsehserie "Königlich bayrisches Amtsgericht"!

Am Start dann zwar blauer Himmel, recht angenehme Temperaturen und durchaus vernünftige Winde, aber auch schnell tauender Schnee bzw. jede Menge Matsch und viel zu viele Flieger für den recht kleinen Platz (45 HG, >60 GS). Nach dem Zahlen der "ordentlichen" Startgebühr von 4,5 € kamen bis 13:30 Uhr dann aber alle in die Luft,in der sich die Pilotenmassen sehr schnell nach rechts (West), links und vor allem oben verteilten. Spätestens ab 2.300 m (SP = 1.720 m) machte sich der Nord-(Föhn-)Wind deutlich bemerkbar. Das Fliegen bei traumhafter Fernsicht (ja, dem Föhn sei Dank!) wurde anstrengender und auch selektiver. Steigen und Sinken von jeweils 6 m/s lagen eng beisammen. Hatte man einen Bart - und zentrierte diesen nur nach Gehör, da die Bärte z.T. unerwartet stark (vom Berg weg) verblasen wurden - gings es sehr schnell in einem Zug richtig weit hoch! Einige landeten nach "nur" 45 Minuten und 12 - 18 km, andere hielten stundenlang durch und knackten gleich am ersten Tag die für Greifenburg eigentlich "obligatorischen" 50 km ("Hascht keine 50 km paggt, bischt quasi abgsoffa!", so der allgemeine Tenor am SP).  
Überhaupt dominiert dort Leistungsdenken und der Fokus liegt fast ausschließlich auf Streckenfliegen. Man sieht viele nagelneuehochgestreckte Sicheln und jede Menge "Zigarren"-Gurtzeuge, Doppel-GPS- und Varios (alles vom Besten), Trinkschläuche, teils skurille Handschuhkonstruktionen und andere XC-Utensilien. Tröstlich nur, dass auch die "Cracks" ihre schönen Sicheln bei zu großer Unruhe und dann eben doch dem falschen Startmoment reihenweise im Matsch ablegen mussten :-)
In diesem Gebiet lernt jeder fliegerisch dazu. Allerdings wird einem auch unmissverständlich und über OLC sehr schnell aufgezeigt, wie schlecht man selber fliegt. Denn es gibt da immer (deutlich!!) Bessere, die aus gleichen Verhältnissen viiiiiel mehr rausholen als man selbst.

Da das Wetter sich bis Samstag zum Glück nur geringfügig änderte, kann man die nächsten Tage im Zeitraffer beschreiben: jeden Tag war Fliegen möglich. Gute Flieger mit Instinkt und/oder starken Nerven kamen bis auf über 3.200 m hoch (Wolken-Wolf 3.699 m!!!), die 50 km "Mindestdistanz" wurde von etlichen Teilnehmern (locker oder beinahe) geknackt, Autos brauchten nur zum Frühstückeinkaufen bewegt werden, da uns ein Privat-Fliegertaxi vor der Haustüre abholte und man bei Bedarf direkt am Haus landen konnte (alternativ 5-10 Min. vom Haupt-LP zu Fuß), unglaublich gutes / schnelles Trampen nach Aussenlandungen, Sehr fliegerfreundliche Locals.

Und was gabs sonst noch?
Schon um 8 Uhr waren beim einzigen Greifenburger Bäcker täglich alle Brötchen ausverkauft!?!
Es gibt dort tatsächlich *mehrere* Möglichkeiten zum Essengehen. Darunter auch den empfehlenswerten "Spargelwirt" am Bahnhof, in dem der TO auch von seinen "Schäfchen" am Ende der tollen Tour eingeladen wurde :-)).
Es gab einige "Technik"-Probleme: Funk-Abgang, Uhr verloren (beide Gegenstände wurden funktionstüchtig wieder zurückerhalten!!),
Verläßt man sich auf den evtl. dann eben doch nicht (ausreichend) vorhandenen Talwind, reichen selbst großzüge LPs nicht aus und man
landet unvermittelt dann doch im Zaun des Campings (ein HG) oder im Gebüsch (mehrer GSe)!
Flüge mit verdrehten Tragegurten nach durch Rückenwind verdrehten startfertig ausgelegten Schirmen sind weniger amüsant,
Internetz- / WLAN-Zugangsprobleme (zunächst völlig unbekannter WPA-Schlüssel, dann für Windows "unannehmbare" Hexzeichen)
Mittags Sonnenbrand im Frühjahrsschnee oder am LP, aber morgens Rauhreif auf den Autos,
Faulenzen auf dem Balkon unter Markissen bei >20 Grad nur in Shorts,
Einige kurbelten 1.600 Höhenmeter mit dem Schirm andere mit dem Bike!
Der Weißensee sieht von "mitten drüber" größer und schöner aus als von unten.

Und dann noch ein hängenbleibender Spruch von .... na von wem wohl?
Früher hatte er einen forschen P.... , heute einen Porsche-Fimmel.

Fazit: Trotz (oder Dank?) Nordwind richtiges Wetterglück, keiner verließ Greifenburg mit mehr gesundheitlichen Problemen / Wehwechen als bei der Ankunft eh vorhanden war, zentral gelegene ruhige Unterkunft, ein Gebiet mit enormen fliegerischen Potenzial.

Um die sehr spät liegenden Pfingsttage 2011 (20.- 24.06.) wird Michael S. eine weitere Ausfahrt zur Emberger Alm mit Unterkunft oben am SP (Almgasthof Fichtenheim, Familie Sattlegger) anbieten. Ob es auch wieder eine Sillian-Oster-Anschluss-Tour geben wird, ist noch offen. Termin wäre dann Ende April und damit in der seit Jahren bestätigten Strecken-Hammerzeit für Greifenburg ...

Martin

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