Ulli Prinz - Meine Saison 2009 Drucken
Geschrieben von: Ulli   
Mittwoch, den 11. November 2009 um 23:13 Uhr

Ulli Prinz verfasste einen Bericht in dem er eine Übersicht über seine Wettkampfsaison 2009 gibt.

 

Meine Saison '09
Bericht für den 1.PCS: Meine Saison 2009


Die Wettkampfpiloten im PCS sollen ja einen Bericht von ihren Erlebnissen einbringen, wie die Reisenden ihre Tourberichte.
Doch dieses Jahr weiss ich gar nicht recht, wo ich anfangen soll: Es gab so viele Highlights, dass es schwer ist, ein Einzelnes davon herauszupicken. Also gebe ich Euch einfach mal einen Überblick, wie so ein Jahr eines engagierten Wettkampfpiloten aussehen kann.
Tip:  Alle Titel unten linken zum ausführlichen DHV Bericht, wenn ihr mehr wissen wollt. Falls ihr es gerade auf Papier lest, ist hier die Adresse wo ihr alle Links finden könnt: http://www.dhv.de/typo/Live-Berichte.2806.0.html

Mein Wettkampfjahr fing dieses Jahr schon sehr früh an mit der:

Weltmeisterschaft in Mexiko  im Januar.      (<- Click für mehr Infos)

Hier nehmen die Nationalmannschaften aus 44 Ländern teil: insgesamt 150 Piloten - bunter als bei allen anderen Events!
In den 3 Wochen, die wir dort waren hatten wir soviele Erlebnisse, dass man hier kaum ein paar Highlights nennen kann. Die Bedingunen dort waren für viele Piloten ungewohnt, weil man aus dem hiesigen Winter, völlig Thermik-Entwöhnt in starke Frühjahrsthermik kommt. Einige Piloten bekamen dabei Probleme: bei 10 Tasks die im Schnitt 100km lang waren, kommen einfach sehr viel Streckenkilometer mit teilweise anspruchvollen Geländestellen zusammen, auf denen leider auch manchmal etwas passiert. Es gab einen tragischen Unfall, über den die Medien viel berichteten, und der die Diskussion in den Wettkampf-Gremien das ganze Jahr über bestimmte: Bei jeder der nachfolgenden Veranstaltung wurde schon dieses Jahr alles getan, um auf mehr Sicherheit zu achten. Nächstes Jahr sollen noch weitere Änderungen umgesetzt werden.

Für mich persönlich war die Fliegerei in Mexiko sicher mit das schönste, was ich bisher erlebt habe. Ich bekam dort auch meinen neuen Flügel für die Saison, einen Gin Boomerang 6, der erst wenige Tage zuvor aus der Nähmaschine kam. Er war anfangs leicht gewöhnungsbedürftig, doch entpuppte sich später als stabilste und schnellste Flügel, den ich bisher geflogen bin:  Besonders bei weit gedrücktem Beschleuniger war der Schirm unglaublich stabil. Doch das sollte ich erst während des Jahres lernen. In Mexiko flog ich sehr konservativ um nichts zu riskieren: Da es bei der WM keine Streichergebnisse gibt, durfte man sich keinen Patzer erlauben. Und dies gelang mir auch: Trotz Montezumas Rache, die mir die ersten 3 Tage die Zeit in der Luft zur Hölle machte, kam ich jeden Tag ins Ziel, meist in den 20ern. Endergebnis war dann ein 9. Platz bei meiner ersten WM und zweitbester Deutscher.

Weiter ging es dann an Ostern mit der jährlichen

Trofeo Montegrappa in Bassano    (<- Click für mehr Infos)

Hier hatte ich letztes Jahr gewonnen, und wollte meinen Titel gerne verteidigen. Ich fühlte mich auch gut vorbereitet durch 3 Wochen Training in Mexiko.  Doch schon der erste Tag lief ziemlich schlecht für mich, weil ich grössere Wolkenabstände einhielt als so mancher "Local" und mitten im Task in wenigen Metern höhe über dem Hangfuss kratzte. Erst nach dem 4. Task stand ich wieder ganz oben auf der Liste und auf dem Treppchen :-)

Moselopen    (<- Click für mehr Infos)

Die Mosel Open ist eine Landesmeisterschaft des DHV, bei der die Piloten aus der Region an das Wettkampffliegen herangeführt werden sollen. Ähnlich wie bei der Bawü Open bei uns in Oppenau. Fúr mich war es mehrein Schnupperfliegen in dieser Region: Ich hatte schon so viel Positives über die tolle Stimmung bei diesem Event gehört, dass ich das auch mal selbst erleben wollte.
Vom Ergebnis her lagen auch hier Glück und Pech eng beisammen: An 2 von 3 Tasks hatte ich die beste Zeit, aber die Mosel hat so ihre Tücken: Allzuschnell steht man mal am Boden, so auch ich am 2.Tag, als ich nur vom Start zum Landeplatz kam. Dennoch war es ein interessantes Gelände mit schönen Ausblicken und sicher ein Tip auch für alle reiselustigen Piloten aus dem PCS, mal nach Norden, statt immer nur nach Süden zu fahren.

Pre-Europameisterschaft-Abtenau     (<- Click für mehr Infos)
Eine Pre-EM dient nicht etwa dazu, sich für die Europameisterschaft zu Qualifizieren, wie die meisten Leute annehmen, sondern das Gebiet und die Organisation qualifiziert sich. Die Organisation machte denn auch einen äusserst professionellen Eindruck, und das Gebiet erlaubt spannende Aufgaben. Ich freue mich schon sehr, dort nächstes Jahr die EM mitfliegen zu dürfen :-)

Doch nun begann das Jahr erst so richtig: Die Weltcup-Serie (PWC = Paragliding-World-Cup) ist der Treffpunkt der weltbesten Piloten, und die versammelte Pilotenqualität ist dort noch höher als bei der Weltmeisterschaft. Im PWC gab es dieses Jahr die grössten Veränderungen: Musste man bisher für einen Gesamtsieg an 5 fixen Events in aller Welt teilnehmen, konnte man sich dieses Jahr an einem der Events für das PWC-SuperFinal im September qualifizieren, an dem dann der PWC-Champion erflogen wird. Ich liess dieses Jahr also die beiden Übersee-Events in Brasilien und Korea aus und nahm nur an den Europäischen Events teil. Das erste davon war der:

World-Cup Türkei in Pamukkale     (<- Click für mehr Infos)

Ich hatte von Pamukkale schon in meiner Kindheit Bilder von malerischen weissen Sinterterassen gesehen. Doch dass ich mal irgendwann direkt über den Terassen fliegen, und an einem Wettkampf teilnehmen würde, hatte ich damals nicht gedacht! :-) Das Gebiet gefiel mir sehr gut: ein Flachlandkessel umgeben von Bergen. Das Tal auf 300m, die Basis teilweise bei 4000: Besser kann es kaum sein für vielfältige Streckenaufgaben.
Eine weitere Änderung im PWC ist, dass man nun auch innerhalb eines WochenEvents einen Streicher bekommt. Ich flog zwar ziemlich fehlerfrei und wäre nach der Regelung wie sie bei allen anderen Wettbewerben gilt Punktbester auf Platz 1 gewesen. Nachdem Andere dann ihre Patzer streichen konnten blieb es "nur" ein 5. Platz - immerhin mein Bestes Ergebnis in so einem grossen Event.


World-Cup Frankreich in Annecy     (<- Click für mehr Infos)

 

Im wunderschönen Annecy traf sich kurz darauf die ganze Weltcup-Meute wieder, um diesmal im satten Frühlingsgrün gemeinsam zu fliegen. Die Landschaft dort hat mich wieder verzaubert wie bei meinem ersten Besuch: der smaragdfarbene See zwischen den schneebekappten Bergen und grünen Wiesen und Wälder: Unglaublich! Als ich dann noch eine wunderbare Frau dort kennenlernte, fiel mir die Entscheidung nicht allzuschwer, künftig mehr Zeit hier zu verbringen. Und so tippe ich auch diesen Bericht mit einem Blick der eher am Bildschirm vorbei geht, auf den See nur wenige Meter vor meinem Fenster. Wie man sieht: Wettkampffliegen macht glücklich, nicht nur in der Luft! ;-)

World-Cup Kroatien in Buzet      (<- Click für mehr Infos)

Hier hatte ich dann aber gleich erstmal eine Woche lang nur Pech: Weil ich schon 4 gute Ergebnisse dieses Jahr für meine Kaderrang- und Weltrangliste in der Hand hatte, wollte ich hier auf "Alles oder Nichts" fliegen: Das Gebiet war dann aber zu launisch und jeden Tag landeten viele Grüppchen von Top-Piloten auf dem Weg zum Ziel. Es wäre besser gewesen sehr konservativ zu fliegen. Doch das weiss man immer erst hinterher ;-) 

Deutsche Meisterschaft / German Open    (<- Click für mehr Infos)

Die Deutsche Meisterschaft in Lienz in Österreich war zugleich auch der einzige Ligawettkampf, da alle anderen Termine, die wir uns gesetzt hatten ausgefallen waren. Es war schön, endlich mal wieder mit all den Freunden aus Deutschland zu fliegen, die man über die Jahre kennengelernt hat.
Ich kannte das Gebiet nicht, aber war voll motiviert und trainiert, und flog gleich mal auf den 1. Platz am ersten Tag. Die nächsten Tage belauerten sich dann besonders Marc Wensauer und ich, da wir einen grossen PunkteVorsprung hatten. Am Abschlusstag haben wir uns zu sehr auf einander konzentriert und standen fast am Boden mit einer Gruppe guter Piloten. Aber einer von jenen, die eine Chance auf den Titel hatten, hatte dann doch eine andere Route genommen: Peter Jung bekam so den ersten Platz und für Marc und mich blieben die anderen Treppchenplätze...

 

World-Cup Superfinal in Poggio Bustone    (<- Click für mehr Infos)

Das PWC-Superfinal wurde, wie oben erwähnt, dieses Jahr zum ersten Mal abgehalten. Alle "Legenden" der Wettkampfgeschichte, also alle Piloten, die mal eine Weltmeisterschaft, oder einen GesamtWeltCup gewonnen haben wurden hier ebenso eingeladen wie die Top-Piloten aus den PWC-Events der Saison. Hier wurde auch spannende Innovationen erstmal präsentiert, z.B. der Boom 7 von Gin und besonders natürlich die Ozone Protos mit nur 2 Leinenebenen und Carbonstäbchen im Segel.
Der Event lief 2 Wochen, um möglist viele Tasks zu bekommen und so einen gerechten Sieger zu ermitteln. Leider spielte das Wetter nicht mit, und so wurden es nur 4 Tasks, davon einer, der sehr viel Glück brauchte: Nachdem ich nach 2 Tagen auf dem zweiten Platz stand, und nach 3 Tagen auf dem dritten Platz, kam dann ein Task, der 110 von den 130 Piloten "frass", inklusive mir. So wurde es auch hier leider nichts mit dem Treppchen...

Die Schlussabrechnung der Saison kam dann im Oktober, als alle Ergebnisse in den Listen aufgenommen waren. Das Resultat hat mich richtig happy gemacht, denn ich habe nun erreicht, was ich mir vor 4 Jahren erträumt hatte, als ich mit der Wettbewerbsfliegerei begonnen habe: Der Platz 1 in Deutschland (und damit in der Nationalmannschaft) und ein Platz 5 in der Weltrangliste :-)

Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr weiter so gut läuft, und vielleicht hat ja der eine oder andere Lust bekommen auch mal in die Wettbewerbsfliegerei reinzuschnuppern. Die German Open mit den Bawü Open sind zum Beispiel ein guter Einstieg!

Hiermit wünsche ich Euch Allen eine entspannende Winterzeit in der ihr wieder jede Menge Fluglust und Ideen für neue Reiseziele sammeln könnt!

Liebe Grüsse,
Euer Ulli

PS: Mehr Infos über mich, auch im nächsten Jahr, findet ihr immer wieder hier : www.UlrichPrinz.de