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Erste Hilfe ?
Es ist oft die Frage an das eigene Gewissen: wie würde ich eigentlich reagieren, wenn ich bei einer Bergtour auf jemanden treffe, dem gerade etwas Schlimmes zugestoßen ist, der verzweifelt auf Hilfe wartet?
Da mein letzter Erste-Hilfe-Kurs schon unendlich lange zurück liegt, habe ich doch sicher keine Ahnung, was ich sofort tun müsste, um dem armen Kerl helfen zu können.
Also womit soll ich anfangen, jemandem beizustehen, der vielleicht nicht mal mehr reagiert oder starke Schmerzen hat, für den ganz schnell etwas getan werden muss?
Ach ja: per Handy den Notruf wählen, dabei sachlich beschreiben, wo die hilflose Person liegt und was die äußeren Anzeichen einer Verletzung sind?
Auch daran muss ich denken.
Aber jemanden allein lassen? Geht nicht. Und das ist schließlich strafbar – wie jeder weiß!
Und mache ich nicht eher etwas falsch, wenn ich versuche zu helfen?
So viele Fragen und die Angst, Fehler zu machen: wird damit die Situation nicht noch schlimmer statt besser? In dieser Ausnahmesituation fallen mir vielleicht die einfachsten Dinge nicht mehr ein. Und eine Ortsbeschreibung durchgeben, damit der Rettungswagen oder Hubschrauber keine unnötige Zeit verliert, wird vielleicht zur unlösbaren Aufgabe.
Na ja, die Nervosität und die offensichtliche Hilflosigkeit tun ein Übriges.
Aber was ist, wenn ich selbst Hilfe brauche, weil ich mir bei einer Bergtour oder bei einer Gleitschirmlandung den Knöchel gebrochen habe? Wenn ich plötzlich nicht mehr laufen kann, auch wenn alles vorher hundertmal gut gegangen ist? Wenn ich es vor Schmerzen kaum noch aushalten kann?
Hoffe ich nicht auch, dass endlich jemand kommt, der mit mir redet, der irgendetwas für mich tut? Der mir hilft, meine Schmerzen zu ertragen, und der vor allem Hilfe rufen kann?

Der Erste-Hilfe-Kurs (2 Tage) im Mai bestätigt natürlich die Befürchtungen und Ängste – und beseitigt sie allerdings auch in eindrucksvoller Weise!
Mit der professionellen Unterstützung durch die Bergwacht in Bad Urach laufen vor unserer Gruppe Praxis-Szenarien ab: Unfälle verschiedenster Art mit ihren typischen und doch ungewöhnlichen Folgeerscheinungen für die betroffene, für die hilflose Person.
Worum geht es?
Ob es die „stabile Seitenlage“ ist, oder die künstliche Beatmung (jetzt ist mir klar, dass ein Mensch ohne Sauerstoffzufuhr nach nur wenigen Minuten Dauerschäden erleiden wird) oder der Transport bis zum rettenden Weg – es sind Handgriffe, die so einfach und logisch erscheinen - aber eben auch so entscheidend sind.
Wir lernen, dass bei einer Herz-Kreislauf – Problematik die Überlebens-Chancen des Betroffenen mit jeder Minute, die ungenutzt verstreicht, um 10% sinken. Da sind die eigenen Bemühungen lebenserhaltend, bis der Notarzt vor Ort sein kann.
Wie hätte ich früher bei einer Person mit Erfrierungen gehandelt? Heute: es ist so einfach, gleich das Richtige zu tun.
Wie ein roter Faden zieht sich die Erkenntnis durch den Kurs, dass wir als Ersthelfer in aller Regel die wichtigste Person sind, d.h. das erste und oftmals entscheidende Glied der Rettungskette,
bis der Arzt übernehmen kann.
Die Unsicherheit und die Angst, etwas falsch zu machen, sind wohl vielfach die Hauptgründe dafür, dass Laien (eher: unwissende Personen) lieber wegsehen oder weggehen, ohne zu helfen. Es könnte ja etwas schief gehen …. und dann gibt es womöglich rechtliche Konsequenzen. Aber dem ist nicht so, Erst Helfer sind automatisch versichert.
Es macht betroffen, dass der Kurserfolg in der Erkenntnis mündet, dass wir oft eine sträfliche Untätigkeit zeigen, weil wir angeblich nicht wissen, was zu tun ist.
Aber es ist beruhigend und vor allem sehr ermunternd zu erkennen, dass es eigentlich eine logisch richtige Vorgehensweise gibt, jemandem die notwendige, manchmal lebensrettende Hilfe zukommen zu lassen. Wir würden uns selbst zu einem kleinen „Helden des Alltags“ machen - auch ohne öffentliche Würdigung. Ich denke, darauf würde jeder von uns mit Recht stolz sein.

Die Unfallbeispiele werden immer begleitet von Erfahrungswerten des Übungsleiters Thomas. Seine langjährige Erfahrung an der „Rettungsfront“ in der Bergwacht ist überall zu spüren. Ob es seine Erläuterungen zur Wirkung einer Herzdruckmassage sind, zum Verhalten bei Schockwirkung, bei der Behandlung von Verbrennungen oder beim Vorgehen bei Verletzungen - das Erlebnis ist für uns Kursteilnehmer immer das Gleiche: die Vorgänge sind ausgesprochen praxisnah vorgestellt, spannend, sehr informativ und eingängig dargeboten.
Letztlich ist dies für uns eine überaus motivierende Veranstaltung, die für unser eigenes Verhalten so wichtig erscheint: wir werden für Extremsituationen viel besser vorbereitet sein. Klar ist: den Kurs werden viele von uns sicher wiederholen.
Ein Fazit . . .
Alle praktischen Übungen, an denen in diesen zwei Tagen jeder Teilnehmer aktiv mitwirkt, sind eingängig und somit für jeden von uns nachvollziehbar.
Und wenn uns als Helfer etwas passiert? Es ist ausgesprochen beruhigend zu wissen, dass Ersthelfer automatisch bei der Unfallkasse des Bundes gesetzlich versichert sind. Rechtlich gesehen kann übrigens niemand belangt werden, wenn ihm bei einem Rettungsvorgang versehentlich ein Fehler unterläuft.
Einige kritische Anmerkungen
Der Initiator des Kurses, Dietrich Heller, hat diese Seminare in den vielen Jahren schon mehrfach begleitet und durchlaufen.
Seine Sorge ist deutlich: Wir wollen alle in der Freizeit unbeschwert und mit einem guten Gefühl auch kleine oder größere Abenteuer erleben.
Jede Bergtour birgt aber Risiken, deren Folgen wir tunlichst vermeiden oder zumindest verringern müssen. Auch die Landung nach einem schönen Gleitschirmflug oder die spannende Klettertour bergen immer ein Restrisiko. Nur - die Bereitschaft, hier eine Grundvorsorge für sich und für andere zu treiben, ist leider nicht sehr ausgeprägt.
Die Existenz von Hilfsorganisationen und die Erwartung, dass ja jemand „zuständig“ ist, machen leichtsinnig und sogar ignorant.
Vergessen wir nicht: wir sind ja nicht nur zur Hilfe für andere verpflichtet, sondern erwarten auch, dass uns in Not geholfen wird.
Leider ignorieren wir Gefahren so lange, bis wir selbst einmal betroffen sind. Und dann?
Sein Appell: Jeder sollte sich mindestens alle zwei Jahre eine Auffrischung seiner Erste-Hilfe - Kenntnisse gönnen, schon aus eigenem Interesse!
In erster Linie gilt dies natürlich für die Fachübungsleiter und für die Organisatoren von Touren; aber auch für jeden, der mit dem Auto unterwegs ist und dem all diese Aktivitäten einfach nur Spaß und Freude in seiner Freizeit bereiten!
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