Annecy oder sonst wo - Hauptsache Fliegen [08. - 15.06 2008] Drucken
Geschrieben von: Martin Siegel   
Sonntag, den 08. Juni 2008 um 01:00 Uhr

ImageAnfang Juni 2008: wie jeder Flieger warten auch 7 potentielle Teilnehmer der "Überraschungs-Ei-Tour" von TO Markus auf irgendeinen fliegbaren Wetterzeitschlitz. Zur Auswahl standen wie im Vorjahr die Ziele: im Norden Allgäu, im Süden Laveno und im Westen Annecy.

Teilnehmer (v.l.n.r.): Klaus (Fotos und Slack-Line-Meister), Steffen (Slack-Line-Spender), Rainer, Martin (Bericht), Markus (TO)

Leider unterschieden sich die Vorhersagen für die geografisch doch recht weit verteilten Gebiete nur in Nuancen. Überall hieß es: "labil, Schauer und Gewitterneigung, flache Druckverteilung" und z.T. auch noch "Föhneinfluß". Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und somit erstmal "nur" einen Tag Verschiebung. Für Sonntag sollte es zumindest trocken bleiben. Nach fester Zusage von Steffen und Bereitschaft, sein WoMo aktiv zum Shuttlen einzusetzen brachen immerhin 5 wasserresistente und fluggierige PCS-ler nach Annecy auf. Statt in besseres Wetter zu fahren, wurde es immer schlechter, feuchter und windiger. Das Ziel, mal so eben im Vorbeifahren einen Flug an der Salève bei Genf mitzunehmen, scheiterte neben dem ungünstigen (zu starken) NO-Wind vor allem an aufliegender Basis - bei nur gut 1.000 m MSL SP-Höhe ... Ein sehr freundlicher Mitarbeiter der lokalen Flugschule berichtete von zurückliegender 4-wöchiger (!) ununterbrochener Unfliegbarkeit und bemerkte sarkastisch an, er würde demnächst nach UK (und den dortigen permanenten Hochs!) abhauen und Fliegenfischen gehen.

Am Lac d'Annecy war es zwar auch grau, aber zumindest trocken. Noch war die Basis knapp überm SP Forclaz. Aber das änderte sich gegen Ende unseres Aufbauens für einen Willkommens-Abendflug wieder :-( So stand dann nach Feucht-Abbau und Runterfahrt genügend Zeit zum "Tanz auf dem (Gurtband-)Seil" - modern auch Slack-Line genannt - zur Verfügung. 10 Sekunden nur mal ohne Permanent-Zittern draufstehenbleiben erschien zu diesem Zeitpunkt enthusiastisch.

Am Montag wurden wir mit Sonne und blauem Himmel aus den Kojen gelockt. Zügig das Standard-Programm angehen: Morgenflug im Ort Marlens beim Col de l'Épine, Autos holen und nach Kaffee am Campingplatz ab zum Forclaz. Schon ab 15 Uhr wurden die Wolken aber immer dunkler. Gleiches Szenario am nächsten Tag. Die Flugzeiten und Entfernungen wurden entsprechend reduziert. Trotzdem schaffte Klaus mehr aus Versehen die kleine Seerunde. Er wollte "nur" vor den Wolken fliehen und wählte dafür eben die Richtung zur anderen Seeseite, wo es dann "zufällig" ganz gut ging.

Am Mittwoch wollten wir mal was Neues ausprobieren und fuhren an Albertville vorbei zum gut 60 km entfernten Montlambert, einem (fast) perfekten SP im breiten Isère-Tal. Über die weiter hinten und höher liegenden Gipfelgrate wabernde Wolken wurden als Vorboten massiver Fallwinde gedeutet und alle PCS-ler gingen zügig Landen. Der Talwind war zu der Tageszeit, so gegen 13 Uhr, schon richtig "ordentlich" und nahm stetig weiter zu, so dass das Befliegen des von Locals hochgelobten Abendsoaringgebiets Chamoux nicht möglich war.

Nach einem Tag mit noch mehr Wind und noch früher aufziehenden dunklen Wolken (an dem wir trotzdem alle, ok relativ kurz, geflogen sind) fuhren wir am Freitag zum knapp 1.800 m hohen Richtung Aix les Bains gelegenen Semnoz, in der Hoffnung, dort den überregional eigentlich eher schwach angesagten Wind vorzufinden und auch (strecken-)fliegerisch nutzen zu können. Im Prinzip gelang dies auch. Alle überhöhten zügig vom gut 150 unterhalb des Gipfels nach W-/NW gelegenen SP unter den großflächig tragenden/ziehenden Wolken. Doch der zu große Ehrgeiz und das Verwechseln von theoretischen Tipps mit praktischem Fliegen führte bei zwei von drei zurück Richtung Hauptlandeplatz Doussard abgeflogenen PCS-lern zu massiven über annährend 1.000 Höhenmeter andauernden Sinken und Zwangsaussenlandungen zwischen Stromleitungen und Weidezäunen. Rainer schaffte es tatsächlich zurück. Er freute sich aber auch weit mehr über eine happy landing als über die absolvierte Flugaufgabe. Steffen verfolgte das Ganze aus der Luft und beschloß, sich ums Auto-Shuttlen und Piloten-Aufsammeln zu kümmern. Vorbildlich! Klaus war einfach mal frech nach SW Richtung Aix-les-Bains weggeflogen, was er aber nach gut 20 km Flug doch nicht ganz erreichte.

Wegen des für Sonntag angekündigten (Dauer-)Regens entschlossen wir uns zum Abbau und Rückfahrt am Samstag. Die Befliegung des Salève sollte aber erneut angegangen werden. Und diesmal klappte es! Nach Auffahrt mit der Seilbahn (für knapp 5 Euro) und akzeptablem 15-minütigen Anstieg zum zweiten von 3 Startplätzen war das größte Problem, nicht nach oben in die Genf-CTR einzufliegen. Die beginnt leider schon auf 5.600 ft, knapp 1.700 m. Die gut ziehenden Wolkenbasis war aber auf ca. 1.900 m!

Nach von keinem erwarteten **täglichen** Fliegen und stolzen 45 Flügen in 5 verschiedenen Fluggebieten (wobei der zweite Haupt-SP Planfait wegen Neuverlegen der Matten gesperrt war und daher gar nicht genutzt werden konnte und der eingeplante Gran Bornand in der Vorsaison nur am WE auf hatte!) und meist nur spätabendlichen Schauern zogen alle eine positive Bilanz der wettermässig eigentlich total verkorksten PCS-Tour. Gut, die Seenrunde - wenigstens mal die "Kleine" Variante - hätte der eine oder andere schon endlich mal (wieder) gern gemacht. Und der tolle Campingplatz, wie im letzten Jahr für unglaubliche 5 Euro / Person inkl. Warmwasser und Strom, ist ganz trocken sicher noch attraktiver sowie für die oft genutzte Slack-Line auch schonender. Übrigens lief Klaus am Ende der Tour die kompletten 10 Meter mit teilweise unglaublichen Körper-Verrenkungen! Trotzdem werden wir sicher wiederkommen. Evtl. mit mehr alltäglich nutzbaren Fahrzeugen (am besten solchen wie Martins Focus Turnier in den tatsächlich 5 Piloten mit 5 Packsäcken unterzubringen waren!) und vielleicht auch mal in den komplett ausgestatteten Fest-Bungalows (<10 Euro/Person!!) statt echtem Classic-Zelt-Campings.

 

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