Arcachon/Dune de Pyla [31.05.-08.06.2008] Drucken
Geschrieben von: Oliver Arnold   
Samstag, den 31. Mai 2008 um 01:00 Uhr

ImageZugegeben, es gibt Fluggebiete, die schneller und einfacher zu erreichen sind - für die rund 1.100 km, die zwischen Stuttgart und Arcachon in der Aquitaine liegen, sollte man rund 12 Stunden reine Fahrzeit einrechnen. Zumal Petrus dem halben Dutzend wackerer Schwaben um TO Eilhard während der Anfahrt einiges zumutete,

z.B. wiederholte, sintflutartige Regenfälle und Gewitter. Malgré tout, die Düne lohnt die Anreise: 110m hoch, presque 5 km lang und 500 m breit türmt sich der 60 Millionen Kubikmeter fassende Riesenhaufen an der Westküste Frankreichs auf. Randnotiz für den Interessenten du geógraphie: Die Düne wandert pro Jahr mehrere Meter ins Landesinnere und verschlingt dabei 8.000 m2 Wald p.a. Für die Betreiber der vier Campingplätze, die entlang der Düne Quartier (nicht nur) für Flieger bieten, heißt das, dass die Bungalows ständig versetzt werden müssen um nicht von der Düne verschluckt zu werden. Uns war daher auch ziemlich schnell klar, warum unser "Chalet 6 Personnes, 3 chambres" auf Rädern stand. Das Häuschen auf dem Areal des "Camping Panorama", ein Traum aus Holz und Resopal bildete für eine Woche unser Basislager.

Der Tag begann mit Kaffee und frischen Croissants (ganz frankophile tunken stilgerecht ein) auf der Terrasse. Wenn man dann zwischen den Pinien Richtung Meer spähte und die ersten Schirme in der Luft waren, kam das Signal zum Aufbruch, verpackt in dem Satz: "Da geht was!!!". Auf der Düne war man in schlappen 5 Minuten zu Fuß. Was macht den Reiz dieser Düne aus, bei der an Sommertagen schon mal hundert Schirme zu sehen sind und an der sich gleich zwei Flugschulen tummeln? Nun, die Windbedingungen sind (meist) ideal zum Küstensoaring und es gibt wohl kaum einen größeren Sandkasten, indem man so gefahrlos mit dem Schirm experimentieren kann. Der französische Freestyle-Champion Charlie Piccolo drückte das in einem Interview so aus: "In drei Tagen an der Düne startet der Pilot 300 Mal durch - und lernt mehr über seinen Schirm als in drei Jahren normalen Fliegens".

Rückblickend würde ich dem zustimmen. Erprobten die Teilnehmer am zweiten Tag bei Starkwind noch Figuren, die sich nicht einmal in Mike Küngs Literatur finden (z. B. Den "Sandpflug" quer über den Acker), so konnte man im Wochenverlauf beobachten, wie die Manöver besser und besser, das Handling filigraner und ausgefeilter wurde. Latschte man anfangs noch die Düne hoch oder quer, ließ man sich im fortgeschrittenen Stadium mit Schirmunterstützung locker ans Ziel tippeln. Musste man anfangs noch den Sand aus dem Schirm schütteln, drehte man ihn am Ende der Woche ganz cool „en air“ um, zog ihn verkehrt auf und schüttelte den Sand aus der Tüte.

Überhaupt der Sand (sable, sable, sable) - er war einfach überall. Unsere Klamotten bekamen im Laufe der Tage zusehends eine einheitliche "Sandfarbe", selbst der Kaffee knirschte manchmal verdächtig. Die einfachste Methode ihn aus den Schuhen, Socken und dem Helm zu bekommen, war, barfuss und mit Sonnenhut zu fliegen. Ab und zu kam dann aber schon mal ein einheimischer Fluglehrer vorbei, um auf die Helmpflicht hinzuweisen. Neben Aufzieh- und Handlingübungen und dem "normalen" Küstensoaren schafften es Frank und Stefan durchaus auf 250m Höhe - die Düne unter sich und den Atlantik vor sich. Zeit spielte keine Rolle, bis zum Sonnenuntergang gegen 22 Uhr konnte man munter weiter fliegen. Die ansonsten geringe Flughöhe animierte zum Ausprobieren von Flugmanövern, zum Ertasten des Stallpunkts usw. Beim Wingover den Stabilo im Sand schleifen lassen, Pobackenlandung mit anschließendem Weiterflug ohne vorher mühsam aufzustehen...Wer sich auf der Düne umsah stellte schnell fest: kleine Kinder spielen gern, große noch viel lieber. Dazwischen winkte dann noch ein erfrischendes Bad im Atlantik.

Unsere Hautfarbe mutierte von "Krebsrot" über "gegerbt und gesandstrahlt" zu "neidischbraun". Wenn das Wetter mal nicht zum Fliegen taugte (das konnte sich im Laufe eines Tages mehrmals ändern) wurde die Zeit mit Küstenspaziergängen, Kiten, Geocachen, Basketball oder schlicht mit Faulenzen am Pool vertrieben.

Entweder verpflegten wir uns opulent selbst, wobei jeder mal den Kochlöffel schwang oder den Grill beaufsichtigte, oder wir frästen uns in den wenigen geöffneten Restaurants durch die Speisekarte, wobei der Übersetzungscomputer meist gute Dienste tat (ein Gericht übersetzte er allerdings mit "Pflasterstein in magerer Pfanne gebraten " - haben wir nicht probiert...). was das Meer hergab, kam auf den Teller (wer mochte), Huitres (Austern), die man dort im Dutzend für 5 Euro nachgeworfen bekommt, knackten wir direkt auf der Terrasse, unter Zuhilfenahme eines Taschenmessers (Gott sei Dank haben die Einheimischen das nicht beobachtet). Und natürlich erwiesen wir auch dem Käse sowie dem Wein der Region unsere Referenz - summa summarum: Soaren und Leben wie Gott in Frankreich. Hoffentlich geht es irgendwann mal wieder hin....Alors, Eilhard???

 

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