Pustertal (18.- 23.04.2006) Drucken
Geschrieben von: Andreas Baisch   
Dienstag, den 18. April 2006 um 02:00 Uhr
Dem TO Joachim gelang es mit aktiver Hilfe von WernAir , trotz Osterwoche und recht kurzfristigem Vorlauf eine einzige, gute und preiswerte Unterkunft für *alle* zu finden. Auch die diversen WoMos durften direkt am Haus abgestellt werden. Bis sich eine solch große Gruppe organisatorisch und logistisch halbwegs zusammen findet, dauert es naturgemäß etwas. So waren zum offiziellen Tourstart zwar durchaus einige – recht wenige - Teilnehmer da. Die Letzten kamen aber erst an, als die Ersten schon wieder die vorgezogene Heimreise antraten.

Teilnehmer: fast alle, die beim PCS-Streckenpokal und OLC mitmischen oder dies gerne tun würden. Insgesamt ca. 30 (!!!) Pilotinnen und Piloten und damit deutlich zuviel, um jemals ein Gruppenbild zustande bringen zu können.

Statt einem zentralen Briefing setzte Jo nach Anlaufproblemen durchaus erfolgreich auf Mund-zu-Mund-Propaganda und Unter-Gruppen-Dynamik. Auf jeden Fall fanden sich doch die meisten innerhalb eines gewissen Zeitraumes an ein und dem selben Startplatz ein. Und abends kamen wundersamer Weise auch alle Personen und Autos wieder bei der Unterkunft an!
Mit der Zeit gab es auch gewisse Synergieeffekte bzgl. den Autos. (Der Landeplatz war nicht direkt an der Talstation Speikboden und der Startplatz Ahornach ist nur mit Auto erreichbar). Die absolute Krönung waren 8 (in Worten acht!) Fahrer, die in einem Ford Mondeo mit einer Fahrt zur Speikboden-Bahn gebracht wurden.

Nun zum Fliegen bzw. zur wichtigsten Randbedingung dem Wetter: Die Wettervorhersagen waren sehr schlecht: nicht „nur“ das von Fliegern so gehasste Genuatief war angekündigt, sondern gleich ein Gesamt-Italien-Riesen-Tief. Auf den Satellitenbildern war Italien nicht mehr zu sehen. Alles ein großer weißer Wattebausch! Im Puster- und Ahrntal kam erfreulicherweise trotzdem gelegentlich die Sonne durch. Die Energiezufuhr über der Adria führte allerdings zu entsprechender Feuchtigkeit. Die Druckverteilung zu lästigen Nordwindeinflüssen. Für die meisten doch ziemlich überraschend konnte aber trotz diesen äusserst ungünstigen und leider sehr beständigen Randbedingungen täglich geflogen werden. Und zwar nicht nur mit Gleitflügen „runter“, sondern ganz ordentlich hoch (bis 3.500 m) und zum Teil auch richtig weit (106 km)!

Einer (Mats) hatte schon am Vortag der Tour von Sillian aus den Landeplatz in Sand in Taufers begutachten wollen, obwohl er diesen erst nach der Landung über Eineimische als genau diesen identifizieren konnte. Sillian war dann später das Ziel von einigen „Ausflügen“, das von eingen auch ganz oder beinahe erreicht wurde (Jürgen Forster, Jürgen Voss, Joachim). Nach Westen ging es zur Eidechsspitze und vereinzelt auch zum Gitsch. Die Strecken zuzumachen gelang jedoch nur selten. Die 100 km-Marke konnte trotzdem durch Jürgen Voss geknackt werden, die 100 OLC-Punkte dagegen mehrfach. Zwei Strecken wurden aber „zugemacht“ und verdienen auch besondere Erwähnung. Zunächst ein weiterer Flug von Mats, der nach Start am Speikboden anders als fast alle anderen nach Norden Richtung Zillertaler Alpen (Hauptkamm) und anschliessend das Ahrntal gut 20 km nach NO entlang und wieder zurück flog. Danach hatte er offensichtlich noch genügend warme Finger um nach Süden bis Bruneck vor und ebenfalls wieder zurück zum Landeplatz in Sand i.T. zu fliegen. Resultat: ein astreines knapp 60 km FAI-Dreieck. Eher eine „üblichere“ Strecke hatte Ecki mit Passagierien Maja nach nervenzehrendem Parawaiting und taktisch imnachhinein klugen Abstieg bis zur Schnee-/Abrisskante gewählt, vor nach Bruneck, dann das Pustertal erst mal nach Westen und dann zurück nach Osten entlang und schließlich – nach wirklich bemerkenswertem Höhetanken (bis über 3.300 m!) bei Bruneck fast im Gleitflug zurück zum riesigen LP in Sand i.T. Auch FAI mit insgesamt knapp 45 km. Respekt und Gratulation für beide Flüge!

Hauptproblem war diesmal der Start. Es war aber nicht die zu große Stärke des Windes, welche Probleme bereitete. Nein, dadurch dass überregional nur leichte Nordströmung herrschte, brodelte es zwar über den üblichen Abrisskanten. Durch massig Schnee lag diese Kante und damit Bärte und Wind aber eben Einiges vor den diversen Startplätzen. Dort herrschte kollektiv leichter Rücken- oder bestenfalls Null-Wind vor. So kam es, dass gleichzeitig Piloten nach W, S, SO und NW ausgelegt hatten und startklar waren. Das Ganze mit nur oberflächlich gefrorenem Schnee garnierte „Advanced Parawaiting“ zog sich zum Teil über Stunden hin! Einigen gelang von Ahornach (gut 500 Höhenmeter, per Auto erreichbarer Sp am Prallhang NO von Sand) aus startend an eigentlich unüblichen Stellen Aufstiege in Höhen bis zu 3.300 m. Flüge ins 13 km entfernte Bruneck und meist auch zurück oder auch nur One-Way zum Startplatz Pfalzen (wo topgelandet wurde) gelangen vielen PCS-ern. Damit ergaben sich dann nebenbei auch einige weitere „grüne Smileys“ (für OLC-Laien: das sind Flüge über der OLC-Mindestdistanz von 15 km).

Nun zum „nachgeholten April-Clubabend“: da wir deutlich mehr PCS-er waren als am offiziellen April-CA-Termin, Wolfgang Arnold genialerweise seinen Beamer dabei hatte (Laptops und Videos waren eh in großer Menge vorhanden!) und wir das Glück hatten, den Aufenthaltsraum der Pension (fast) für uns allein zu haben, wurden an einem Abend alle möglichen Videos und animierte Slideshows gezeigt. Neben Ausfahrten-Dokus gab es Videos mit jeder Menge Akro (inkl. Baumlandungen!), Speed-Downhill-Ski-Kiting und spektakuläre Bilder von Dust Devils. Allesamt auf jeden Fall auch als „Ersatzprogramm“ für einen „normalen“ CA geeignet! Ein wenig geärgert haben sich Jo und die Pensionswirtin über das „muntere Kommen und Gehen“, größtenteils spontan bzw. ohne rechtzeitige vorherige Vorabinfo. Es ist jedem freigestellt, später zu einer Tour zu kommen oder diese vor offiziellem Ablauf früher zu verlassen. Dies muss jedoch *frühzeitig* vor der Tour mit dem TO abgesprochen werden. Andernfalls ergeben sich unnötige und wirklich vermeidbare Probleme. Touren mit zentraler Unterkunft oder sonstiger zentral verwalteter Infrastruktur erfordern nun einmal ein gewisses Maß an Disziplin von *jedem* Teilnehmer.
Jo, vielen Dank für diese Tour mit absoluter Rekordbeteiligung! Wir hoffen auf eine Wiederholung in 2007, idealerweise dann mal wieder mit „richtigem“ Flugwetter und vor allem eindeutigeren Startbedingungen!