Dolomiten / Fassatal (24. - 30.09.2006) Drucken
Geschrieben von: Martin Siegel   
Sonntag, den 24. September 2006 um 02:00 Uhr
Sehr ungewohnt für dieses Jahr konnte eine Tour gleich mit gutem Wetter starten. Genaugenommen hätte man schon einige Tage früher anreisen sollen um das schwache Hoch, das sich nach dem unerwarteten Auflösen des Mitte September eigentlich unabwendbar scheinenden massiven Genuatiefs fliegerisch zu nutzen. Tomek machte es uns vor: nach einem Kurzbesuch bei der vorhergehenden Molveno-Tour, der zeitlich überwiegend in der Luft „rumhängend" verbracht wurde, zog er am Donnerstag schon ins Fasstal und flog „mal eben" ein richtig schönes 43 km großes FAI-Dreieck. Der OLC war/ist zwar vorbei, somit wird der Flug mit 0 Punkten bewertet, aber Einstellen – und damit Nachvollziehen für Andere – funktioniert(e) noch! (OLC-Link auf PCS-HP oder OLC-Vereinswertung-Tageswertung-PCS oder direkt über diesen Link).
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Teilnehmer (v.l.n.r.): Klaus Limbach, Frank Haubach (TO), Werner Axtmann (Tour-Logbuch, Fotos), Martin Siegel (TO, Bericht) sowie nicht auf dem Foto da beim Wandertag vor eindrucksvoller Kulisse nicht dabei: Peter Läuger, Steffen Taut und Wolf Hoedt.

Auch Wolf und Werner lockten die guten Aussichten und Infos von Tomek weg vom „Flugstunden-Bolzen" in Molveno. Am Samstag zogen sie ebenfalls ins Fassatal um. Gerade noch rechtzeitig vor der Mittagspause (12:30 – 14:00 Uhr) waren sie an und gleich auch in der Rodella-Bahn. Nach 2-stündigem Flug verschätzte sich dann Wolf in Bezug auf Thermik-Stärke und –Versatz und „plötzlich war der Berg da .....". Über die gut 100 km entfernte Relaisstation Molveno-TO wurde zunächst der Kontakt zu Werner und dann der Transport von Mann (und Auto) organisiert. Trotz erheblichen Schmerzen und zunächst bösen Befürchtungen wurden im Krankenhaus von Cavalese zum Glück keine Brüche oder gar Wirbelschäden festgestellt. Zumindest die Wirtin unserer Stamm-Pension in Pozza di Fassa profitierte von einem zusätzlichen - fast durchgehend belegten - (Kranken-)Bett. Wolf suchte derweil u.a. nach Stellungen, seine Socken schmerzfrei anzuziehen sowie den Kopf weitgenug zu wenden, um ohne Gefährdung mit dem Auto aus der Hauseinfahrt auf die Haupstraße einzubiegen .....

Offizieller Tourbeginn war dann am Sonntag an dem dann auch erste Eingewöhnungsstarts und -flüge gemacht wurden. Zum Rodella-Überhöhen reichte es, zu mehr aber auch nicht.

Abends wurde die bisherige Liebingspizzeria der TOs „Giare" in Pozza gestürmt und getestet.

Nachdem Martin schon relativ deutlich „abgeblitzt" war, schaffte es Werner mit seinem Charme am Montag doch noch, die Italienerin an der Rodella-Kasse zu „überreden", uns trotz fehlender offizieller Formulare und zusätzlich eigenständig ausgefüllter Hotelbescheinigungen jeweils einen Zusatztag beim Panorama-Pass zu schenken. So erworben wir für 36 Euro das Recht für beliebig viele Auf- und Abfahrten auf allen (noch offenen) Bahnen im gesamten Fassatal an 5 (statt offiziell eben 4) der nächsten 7 Tage!
Ohne „Absauf-Furcht" und „Toplande-Pflicht" konnten wir uns so in den folgenden Tagen zu einem Vormittagsflug „raushauen" und auch spätnachmittags noch einen Tagesabschlussflug dranhängen. Früh- wie Spätstarts führten überraschenderweise zu teilweise schönen, weiten und hohen Flügen Richtung Sella-Massiv, Pordoi, Belvedere, aber auch in die eher ungewohnte Richtung Südwesten zum Rosengarten. Steffen schaffte einmal sogar den Talsprung vom Belverdere Richtung Vernel-Westflanke und zurück zum Toplanden an der Rodella!

Sah es fürs Fliegen nicht ganz so vielversprechend aus konnte man - Panoramapass-sei-Dank - Klettersteige besuchen oder „mal eben" auch als Fussgänger ohne GS aufs Pordoi hoch. Allein die Seilbahn ist spektakulär: ohne Pfeiler in steilem Winkel knapp 1.000 Höhenmeter hoch, das hat schon was!

Unseren Aus-Tag nahmen wir am Dienstag. Es war ziemlich föhnig, mit gut Wind aus NE. Am ganzen Tag waren nur 6 wagemutige Flieger am Himmel zu sehen. Bei denen ging es (zu) schnell sehr hoch (>3.500 m). Wir waren trotzdem froh, dass wir am Boden waren. Zum Wandern herrschten absolut perfekte Bedingungen. Wir wählten die „Scenic-Tour" vom Belvedere auf Grathöhe Richtung Fedaja-Stausee und zurück. Den Fieschern und deren Grimsel-Schlange setzten wir locker den direkten Kontakt - bis auf wenige Zentimeter - zur leibhaftigen Fedaja-Schlange entgegen. Diese zischte und blähte sich ganz schön auf, stand aber trotzdem gerne und lange als Fotomotiv verfügbar.

So, in den nächsten Tagen galt es nun aber denn Panoramapass möglichst intensiv zu nutzen. Fliegen, Top- oder notfalls auch mal unten landen, Fliegen. Klaus flog einmal „kurz" ins gut 10 km entfernte Pozza um bei der Unterkunft auf sein Bike umzusteigen. Auch Werner wollte sich die abendliche Auto-Rüchfahrt sparen, schaffte es aber nicht ganz bis zur Pension.

Beim Parawaiting mit bombastischer Aussicht diskutierten wir u.a. über den speziell an der Rodella doch fragwürdigen Herdentrieb: 80% einer Gondelladung Piloten marschierte - auch noch *nach* der Mittgaspause - zum zugegeben einfachst erreichbaren und wirklich easy aussehenden, aber eben durch unberechenbare Winde sehr absturz-gefährdeten NO-Startplatz. (siehe unseren Link des Monats: http://www.markus.bodenlos.de/born/rodella_gefahren.html, der inzwischen auch auf der DHV-Seite steht) und legten munter auf beide Richtungen des Grates aus! Leethermik aus Süden täuscht hier regelmässig über den tatsächlich vorherrschenden N-Wind aus dem Grödnertal hinweg. Zumindest die ersten 15 Flugsekunden .....

Abends wurde dann zunächst mal die zweite Stammpizzeria „Ramon" in Pera ausprobiert, bevor wir - gezwungen durch gleichzeitige Ruhetage - schließlich in der vermeintlichen Notfall-Aushilfs-Pizzeria „Salin" (auch in Pera) landeten. Und dort gab es preisgünstige Riesenpizzas (ca. 42 (!!)cm Durchmesser) und 1 Liter Vino Rosso della casa für gerade mal 5 Euros. Aus dem Notnagel wurde umgehend das neue PCS-Dolo-Stammlokal!!!

Gelegentlich wurde nach dem Pizzabesuch - meist beim Diashows-Anschauen - mit "richtigem" Wein und auch anderen Spirituosen, sofern diese nicht als Geschenke an die TOs (!!) dienten, weitergemacht.

Am langen 3.-Okt.-Wochenende fielen erwartungsgemäß hunderte von GS- und HG-Fliegern ein. Da zudem das Wetter schlechter wurde und es dadurch keine genügende Staffelung in der dritten Dimension gab, flüchteten wir an die SW-Ecke des Rosengartens (Paolina-Lift am Karersee) und hatten dort noch einen schönen Abschlussflug mit Landung zwischen Golf-Loch 12 und Haflingern bevor wir ohne nenneswerten Verkehr in Rekordzeit nach Stuttgart zurückfuhren.

Fazit: keine ganz großen Flüge (Marmolada muss noch ein Jahr warten), aber doch deutlich mehr als nur Reinschnuppern in dieses optisch und fliegerisch anspruchsvolle Gebiet. Panoramapass und Riesen-Pizzas sind weitere eindeutig nicht ausschlagbare Einladungen, nächstes Jahr evtl. dann auch mit mehr Teilnehmern, wieder zu kommen.