Molveno (19. - 25.09.2006) Drucken
Geschrieben von: Martin Siegel   
Dienstag, den 19. September 2006 um 02:00 Uhr
Schon vier Tage vor dem geplanten Beginn der Tour war ein fliegerischer Wetter-GAU vorherzusehen (und das leider selten einheitlich auf *allen* Wetterseiten!): atlantische Tiefausläufer über Spanien, die übers Mittelmeer Richtung Norditalien zogen. Kurz gesagt: *das* - neben "Nordlage" und "Blockabfertigung am Tauerntunnel" - meistgehasste Unwort für Südalpen-Flieger schlechthin - "Genua-Tief"! Am Freitag 15.9. wurden dann auch Überschwemmungen aus Korsika und Südfrankreich gemeldet. Im Tessin wurde vor möglichen Erdrutschen gewarnt. Und da wollten wir Campen (und natürlich Fliegen). Na toll!!

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Teilnehmer (v.l.n.r.): Michael Stierle, Stefan Lange, Stefan Gybas, Frank Haubach (Fotos), Werner Axtmann, Josef Kleß, Bärbel Karnoll, Thomas Kreer, Christoph Mazinque, Thomas Schultz, Martin Siegel (TO und Bericht), Tomek Ziarko, Wolf Hoedt

Zum Glück hatte der TO ganz bewußt auf verbindliche Reservierungen in Molveno verzichtet, so dass ein Verschieben oder gar Absagen zumindest ohne finanzielle Auswirkungen möglich war.

Gemeinsames intensives Studium aller greifbaren Wetterinfos ließ schließlich ab Montag abend / Dienstag früh eine Wetterberuhigung erwarten. Zwar nur ein schwaches Zwischenhoch, dazu auch leider mit Wind aus Nord, aber immerhin ohne Niederschlag. Also Info an alle: zumindest Frank und Martin werden ab Dienstag mittag in Molveno sein.

Nach dem Brenner gab es dann auch tatsächlich blauen Himmel, der im Verlauf des Tages aber wegen der hohen Feuchtigkeit aus den Vortagen mehr und mehr verschwand. Die Zelte konnten im Trockenen (nur von oben her!) aufgebaut werden. Und nach der Mittagspause der Bahn (12:45 - 14:30 Uhr) sah es durchaus fliegbar aus. Als wir nach (zu) langem Rumtrödeln endlich am Startplatz ankamen, kam noch ein leichtes Lüftchen von vorn. Aber gleichzeitig kamen von hinten (Norden) dicke Wolken immer tiefer Richtung SP. Schließlich kam es sogar zu einem kurzen Schauer und in dessen Folge zu tendenziell leichtem Rückenwind. Martin schaffte nach einem Abruch in einer Nullwindphase noch einen Start (zu einem Gleitflug). Die Anderen packten erst gar nicht aus und nahmen die Bahn kurz vor Betriebsende nach unten.

Wieder am Campingplatz dann eine Überraschung: jede Menge Autos, Zelte und zugehörige PCS-er!! War die Info vom TO etwa zu optimistisch ausgefallen oder falsch interpretiert worden? Als dann abends auch noch Tomek, der Wetter-Guru schlechthin, eintraf, stiegen die Erwartungen an den nächsten Tag bei allen an. Und so kam es dann auch: 13 PCS-er hingen zusammen 35 Stunden in der Luft über dem Lago di Molveno rum. Es ging zwar nicht hoch hinauf, die bis zu 2.800 m hohen Brenta-Klötze hinter (=nördlich) vom Start trugen absolut nicht, aber trotzdem war jeder an diesem Abend fliegerisch sehr zufrieden. Und das Beste: es ging so die nächsten zwei Tage weiter! Am Do. zu elft 30 Stunden Airtime, am Fr. zu zehnt noch 25 Stunden.

Alle hatten sich damit den Flieger-Pudding von Bärbel und Thomas redlich verdient! Dazu zündete Wolf ein individuelles PCS-Feuerwerk. Und der TO erhielt von den Teilnehmern Speck und Würzsalami überreicht.

Am Samstag schwächelte das sowieso schon zaghafte Hoch, so dass die Wolken sich noch weiter absenkten. Flugs wurde beschlossen, es mal am ca. eine Stunde (50 km) entfernten Monte Baldo, Gardasee, zu versuchen. Dessen Gipfel war jedoch auch in Wolken. Wir trösteten uns mit der Besichtigung des neuen - in verschiedenen Foren heftigst diskutierten - speziell für GS-Flieger angelegten Landeplatz. Dieser ist überraschend größzügig und sehr schön angelegt. Gut 120 m lang, 35 m breit, und für alles ausser GS-Landen rigoros gesperrt. Danach wurde im toll hergerichteten Riva del Garda noch Gelati (mit Spachtel geschmiert, nicht in Kugelform) und Cappuchini genossen. Später nachmittags wurden die möglichen Aussenlandemöglichkeiten unterhalb der Brenta-Wand per Pedes erkundet und per Handy bei einer Rettung an der 100 km entfernten Rodella mitgewirkt (siehe hierzu auch den Bericht "Fassatal").

Was gab es sonst noch: einen Löffel gab es umsonst ;-) , ebenso einige Tiramisu. Gepaddelt und geschwommen wurde. Die neue zweite Sektion, ein Standard-(und damit Andelsbuch-langsamer!) Zweiersessellift, war schon in Betrieb, wurde aber nur sehr vereinzelt benutzt. Stattdessen wurden die 120 Höhenmeter in 12 bis 25 Minuten mehr oder weniger sportlich bewältigt. Man muss sich das Parawaiting mit dem wunderschönem Panorama ja auch irgendwie verdienen ....

Absolut bemerkenswert war der Service: Werner betätigte sich als Rundum-Starthelfer, legte jedem - ob PCS-er oder nicht - den Schirm aus, gab Tipps und beruhigte nach gelegentlichen Startproblemen. Einmal landete er sogar extra top, um auch den Nachzüglern diesen Service noch zu bieten! "Irgendwie" schaffte es auch der TO, dass (fast) kein GS vom Campingplatz zur Talstation getragen werden musste.

Fazit: obwohl es nur drei Flugtage waren, haben sich die gut 500 km Anfahrt für alle gelohnt. Das bei allen bis dahin eher unterdurchschnittliche Flugstunden-Kontigent 2006 konnte zum Saisonabschluss hin doch nochmal merklich aufgestockt werden. Molveno hat sich damit als PCS-Herbst-Tour fest etabliert. Die Nutzung von Festunterkünften und das Einbinden der Nicht-Camper in die Gruppe sind allerdings noch nicht optimiert.