Molveno - Genußfliegen in Traumumgebung (16. - 23. 09.2007) Drucken
Geschrieben von: Martin Siegel   
Sonntag, den 16. September 2007 um 02:00 Uhr
Wann gab es das schon mal: Aufbruch zu einer Tour mit besten Wetteraussichten (zumindest für die ersten 2 bis 3 Tage)? Wir ärgerten uns schon ein wenig, dass wir - bedingt durch die spät endenden italienischen Schulferien - erst am Sonntag früh losfuhren. Tolles Spätsommerwetter, beste Sicht, selbst die Zugspitze war völlig wolkenfrei. Dann nach dem Brenner die ersten Wolken und später, oh Schreck, keine Sicht zum Startberg, geschweige denn Flieger in der Luft.
Trotzdem fuhren wir nach der Mittagspause (12:45 Uhr - 14:00 Uhr) optimistisch und mit Schirm ausgerüstet mit der Ben-Hur-Kampfwagen-Stehseilbahn bis zur Mittelstation Pradel. Die meisten bewältigten an diesem und auch an den
folgenden Tagen die verbleibenden 110 Höhenmeter zum gepflegten und angenehm geneigten SP auf knapp 1500 m Höhe in rund 15 Min. zu Fuß.

Teilnehmer: hinten v.l.n.r. Peter Ziegler, Jürgen Voss, Getrud Voss, Martin Seifert,
Martin Siegel (TO und Bericht), Horst Fetter, vorne Frank Haubach (Fotos),
Thomas Kreer, Bärbel Karnol, Gerhard Rehm
sowie Thomas Schultz (zeitweise und nicht auf dem Foto).

Die Basis hob sich doch noch und es kam auch Wind zum Rückwärts-Aufziehen. Es reichte schließlich sogar zu ersten Ausflügen an die Westflanke der Paganella mit Rückkehr (knapp) über Startplatzhöhe sowie Stundenflügen.

Das eigentlich erst für Dienstag bis Mittwoch angesagte schlechte Wetter begann dann leider schon am Montag. Ein Großteil der Gruppe zog es vor, (schirmlos) an den Gardasee zu fahren. Die in Molveno Verbliebenen konnten dann völlig überraschend ein knapp einstündiges Wolkenfenster für einen
verlängerten Gleitflug über dem sehr gepflegten Ort Molveno nutzen.

Dienstags kam dann die Kaltfront inklusive massiver Böenwalze mit voller Wucht. Welch ein Glück, dass wir diesmal fast alle in festen Unterkünften und nicht auf dem in den letzten Jahren üblichen Nobel-Campingplatz waren!

Der nächste Morgen begrüßte uns mit sehr tiefen Temperaturen (nahe 0 Grad) dafür aber allerbester Sicht, natürlich auch endlich auf die Zacken und Klötze der umgebenden Brenta-Gruppe. Trotz starkem Nordostwind fuhren wir lange vor der Mittagspause mit Schirmen auf den Berg. Oben sprachen uns Wanderer an, es sei zum Fliegen wohl nicht geeignet. Es stellte sich dann schnell heraus, dass
es sich um PCS-ler handelte! Nun gut, zuerst wurde die Brenta-Gruppe aus allen möglichen Perspektiven, mit und ohne Zoom, quer- und hochformatig (ja das Titelblatt
des Jahresprogramms 2008 war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vergeben!) abgelichtet.
Nach Strudel und Capuccino ging es dann - zum hier mehr als angenehmen - Parawaiting (Hut, Sonnencreme und -brille war Pflicht). Der TO machte schließlich den Dummy und landete nach für Molveno unüblichem bockigen 30-minütigem Flug oben gut durchgerüttelt wieder zum Berichtabgeben ein.

Alle zogen es vor, auf ruhigere oder zumindest leichmäßigere Bedingungen zu warten. Nur Jürgen sah seine Chance auf einen "richtigen" Thermikflug und startete. Kurz danach war er weit hinter und deutlich über dem Start, etwas später dann auf knapp 2.800 m über den vorgelagerten hier "nur" knapp
2.300 m hohen Brenta-Gipfeln. Was tun mit der Höhe? Schließlich flog er Richtung SO und kam auch auf Gipfelniveau an der Paganella an. Auf die eher scherzhafte Frage, ob er denn schon Trento und Bassano sähe, antwortete er:
"Nein nicht ganz, dafür aber den Gardasee" .... Es hatte ja wie gesagt eine sehr saubere Luft mit toller Fernsicht!
http://xc.dhv.de/xc/modules.php?name=leonardo&op=show_flight&flightID=20966

Nach und nach starteten dann doch alle anderen. Trotz weiterhin mehr bockiger Thermik als ruhigem Soaring flogen alle stundenlang und auch in ansehnlicher Anzahl zur - komplett bewaldeten und damit absolut unlandbaren und nur mit etwas Überwindung anzufliegenden - Paganella-Westflanke. Deutlich über Startplatzhöhe schaffte es an diesem und leider auch an den nächsten Tagen niemand mehr.

Dafür war Ground-Handling - mit oder ohne Bremsen - im fast laminaren Gardaseewind ("Ora") und Cappucino- oder Gelati-Genießen auf der Freiterrasse im T-Shirt fast
täglich möglich.
Pizzen und Vino, frische (Luft-)Wecken mit deutschem Filter-Kaffee sowie die eine oder andere - auch selbst fabrizierte - Pasta-Variante (u.a. "mit Zucchini à la Julien") rundeten das Urlaubsgefühl angenehm ab.

Trotz andauernder "fetter" Hochdrucklage und teilweise wirklich gutem Seewind - Leichtgewichtige ganz junge Signorinas flogen an der kaum 5 m hohen Kante des
Landeplatzes sogar einige Minuten lang in bis zu 10 m Höhe herum! - war am Berg nirgends das bekannte und in der Tourenauschreibung auch großspurig angekündigte
"Ultra-Relax-Überall-Tragende" Hangsoarimg möglich.
Es gelangen zwar weitere Stundenflüge, aber es war erstens mehr Kampf mit kleinräumiger Thermik meist nur knapp über Mittelstationshöhe und zweitens schon sehr früh am Nachmittag komplett fertig. Fliegen bis zum Sonnenuntergang bzw. bis der Bergwind eine Landung vom See her erzwingt, wie in den letzten Jahren öfters angetroffen war nicht möglich.

Samstags machten sich dann 5 PCS-ler - diesmal mit Schirmen - auf zum Gardasee. Wir wollten unbedingt den Monte Baldo bei Malcesine befliegen und das Nervenkitzeln
des Landens auf dem einzigen - (nur!) vom Boden aus betrachteten durchaus großen, neu am Seeufer aufgeschütteten - LP am eigenen Leib erleben. Nach doch etwas zeitaufwendiger Parkplatz- und Schwimmwestensuche konnten wir schließlich in die neuen großen Rundkabinen einsteigen und schon bei der Auffahrt die einfach umwerfende
Aussicht geniessen. Oben - knapp 1.700 Höhenmeter über dem See - dann erst mal Ernüchterung. Unmengen an Fliegern saßen verteilt an dem langen Grad herum. Einige
machten Groundhandling. Aber .... in die falsche dem See abgewandte Richtung (Osten)!?!
Nach ausführlicher Lagebesichtigung und -besprechung entschlossen wir uns schließlich zum Start nach Osten mit anschliessendem unverzüglichen Umrunden des Hauptmassives etwas weiter im Norden. Das absolut ruhige Fliegen hoch über dem Gardasee war für jeden eine beeindruckende Erfahrung. Dass es auch alle - trotz "glücklichem" Treffen der knapp 10 Minuten Windstille zwischen Nord-Vento und Süd-Ora - schafften, ohne
nasse Füsse oder Schirm zu landen, war natürlich das Sahnehäubchen.

Insgesamt war es eine tolle Tour. Wir hatten richtiges Wetterglück, auch wenn wir leidvoll lernen mußten, dass Hochdruckwetter nicht zwingend gutes (Molveno-)Flugwetter
sein muss. Trotzdem besserten alle Teilnehmer ihr in 2007 nicht gerade riesiges Flugzahl- und vor allem Flugzeit-Kontingent deutlich auf. Die Ferienwohnungen waren
ein echter Volltreffer: Lage, Ausstattung und Preis, alles passte. Selbst Hard-Core WoMo-Fans sind ernsthaft am Überlegen, das nächste Mal mit PKW anzureisen.

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