Annecy oder sonst wo - Hauptsache Fliegen (15. - 23.06.2007) Drucken
Geschrieben von: Martin Siegel   
Freitag, den 15. Juni 2007 um 01:00 Uhr
Juni 2007: wie jeder Flieger warten auch 8 potentielle Teilnehmer der Überraschungs-Ei-Tour" von TO Markus und Ersatz-TO (dazu gleich mehr) Frank auf irgendeinen fliegbaren Wetterzeitschlitz. Zur Auswahl standen im Norden Allgäu, im Süden Laveno und im Westen Annecy.
Teilnehmer (v.l.n.r.): Frank Haubach (Fotos), Michael Stierle, Martin Siegel (Bericht),
Reinhold Günther, Steffen Taut, Markus Lang (TO)

Leider half auch das gemeinsame permanente Durchstöbern von immer neuen Internet-Wetter-Links nichts: trotz nun wirklich geografisch weit gefächerten Zielen gab es nirgends einen Hoffnungsschimmer. Überall hieß es labil, Schauer und Gewitterneigung, Atlantik-Tief(s) und z.T. auch noch Föhneinfluß. Man hätte schon nach Casteluccio oder Norma ausweichen müssen, um flieg- und camp-bare Verhältnisse anzutreffen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und somit erstmal "nur" tageweise Verschiebungen. Am Sonntag war dann die Zermürbung so groß, dass immerhin 5 wasserresistente und fluggierige PCS-ler sehenden Auges in das Regengebiet Annecy aufbrachen.

Für den TO hatten die Verschiebungen einen großen Vorteil: die Umstände mit der gerade geborenen Tochter Tatjana (Gratulation Markus!) hatten sich so weit stabilisiert, dass der Jung-Vater dann doch die Freigabe zur Teilnahme an seiner Tour schon von Anfang an erhielt.

Die Meteorolügen hatten sich leider nicht getäuscht und pünktlich zum Zeltaufbau am späteren Nachmittag begann es zu regnen. Zum Glück haten wir den PCS-Pavillon dabei und nach einigem Puzzeln mit den Gestängeteilen auch tatsächlich aufgebaut bekommen. Darunter konnten zunächst die restlichen Zelte halbwegs trocken aufgebaut und danach im Trockenen zusammen gevespert werden.

Die Nacht war dann ein Dichtigkeitstest für die Zelte; leider nicht der einzige während unseres Aufenthaltes :-( Immerhin hörte es pünktlich zum Frühstück mit Regnen auf und die Feuchtigkeitsschwaden an den umliegenden Bergflanken verzogen sich erfreulich schnell. Mit dem vorhergesagten tendenziell eher (zu) starken SW-Winden beschlossen wir zur in Richtung Aix-le-Bains ausgerichteten Bergkette Le Semnoz zu fahren. Ausblick, Startplätze und fliegbare Kanten wurden begutachtet.Zum Fliegen war dort oben jedoch .... Null (?!) Wind.

Einige wollten den Tag mit Wandern abrunden. Andere zog es zum Startplatz Col de la Forclaz. Dort waren sehr viel (>60) Flieger. Auch wir kamen nach Aktiv-Anstehen schließlich zu 20 Minuten Airtime mit der für Annecy üblichen fantastischen Aussicht.

Nach - trockener (!) - Nacht starteten wir am vorhergesagten "besten Tag der Woche" zunächst im Morgenfluggebiet Col de l'Epine. Dort ging es erst überraschend spät und auch nicht sonderlich gut. Wir machten uns da aber keine großen Gedanken sondern diskutierten beim Wechsel zum Forclaz schon intensiv Details der bekannten kleinen Seerunde. Es sollte ja wie gesagt der beste Tag der Woche sein. Stutzig machten uns dann doch die wenigen Flieger in der Luft und später auch am SP. Nach langem Warten - Einheimische hatten uns geraten, nicht vor 17 Uhr zu starten - mussten wir schließlich einsehen, dass der Tag zwar touristisch wirklich super war, sprich: Bombensicht und Randbedingungen für schöne Sonnenbrände, aber fliegerisch eben nicht. Es war für niemanden begreiflich .... voll stabil!!

Weitere - diesmal bis zu einstündigen - Morgenflüge am Col de l'Epine folgten, bevor wir dann mal den niedereren Soaring-SP Planfait oberhalb Talloires begutachten wollten. Und siehe da, alle flogen jeweils mehr als 2 Stunden, z.T. mit Ausflügen bis zu den gut 800 m höheren "Mini-Dolomiten" Les Dents.
Markus flog abends dann gleich am Forclaz vorbei zum Haupt-LP bei Doussard, ca. 1 km weg von unserem sehr empfehlendswerten Campingplatz La Nublière: gute Sanitäreinrichtungen mit gut warmen Duschen, Schatten-Gras-Plätze, Seezugang, W-LAN (nicht immer), Shop; und das alles für 5 (!!) Euro pro Nacht/Person.

Der am Dienstag hinzugestoßene Steffen hatte - vorbildlich mit Schwimmweste ausgerüstet - zwischenzeitlich vom Forclaz aus das Klappverhalten seines Chilis ausgetestet.

Nach dem fast üblichen diesmal aber deutlich heftigeren Regen in der Nacht stellte Frank fest, dass unter seinem Zelt ein Bach floß. Und Markus' Zelt stand sogar über Knöcheltief in einem See! Anschliessend an das gemeinsame Zelte-Ausräumen und -Umstellen sowie ausführlichem Frühstück unter dem PCS-Pavillon wurde nach
Möglichkeiten gesucht, diesen vermeintlichen fliegerisch voll abzuhakenden Tag sinnvoll zu gestalten. Eine kleinere Wanderung auf der Hochebene bei Talloires mit folgender Besichtigung des noblen Ortskerns sowie der zugehörigen "günstigen" Speisekarten (Menues ab 150 Euro)wurde gewählt. Danach wollten wir dann doch
die vorsorglich mitgenommenen Schirme lüften und machten uns auf zum SP Planfait. Statt den von allen erwartenetn bestenfalls verlängerten Gleitflügen ergaben sich völlig unerwartet für alle PCS-ler wieder interessante Flüge von jeweils gut 1.5 Stunden. Nur die doch sehr niedrige Basis von lediglich 1.500 m begrenzte den Aktionsradius merklich.

Statt dem gemeinsamen Zubereiten der üblichen Camping-Mahlzeiten wollten wir an diesem Abend mal richtig Essengehen. Steffen erkundete mit seinem Rad gleich mal die Speisekarten von in der Nähe liegenden Restaurants und fand auch tatsächlich was gerade noch Bezahlbares direkt am See. Leider stellte sich bei unserer Ankunft dann heraus, dass "natürlich" eine Reservierung nötig gewesen wäre. So landeten wir in einer eher unscheinbaren Vereinsgaststätte mit Blick auf Tennisplätze statt auf den See. Dafür aber mit qualitativ guten Riesenportionen vor denen sogar Martin kapitulieren musste. Und das Ganze zu spektakulär günstigen Preisen (ca. ein Drittel des angepeilten Restaurants am Seeufer).

An den verbleibenden zwei Tagen nahm die SW-Strömung merklich zu und bescherte zusammen mit dem Annecy-Nord-Talwind äusserst "spannende" und überwiegend nicht vorhersagbare Verhältnisse. Es ging zwar an vielen Stellen richtig schön hoch, aber man wußte nie so genau, ob man noch im Luv oder schon im Lee war.
Zusammenn mit Düsenwirkungen und lokalen Effekten ergaben sich teilweise sehr geringe Grundgeschwindigkeiten und der LP Doussard rückte für einige in unerreichbare Ferne.

Nach **täglichem** Fliegen und insgesamt 43 Flügen hatte am Samstag nur noch Reinhold Lust, sich den "interessanten" Verhälnissen fliegerisch zu stellen. Danach noch ein Kaffee (merke: kein Campingurlaub mehr ohne Stromwasserkocher!) und dann ab Richtung Heimat.

Fazit: bei eigentlich bis auf einen Tag mehr oder weniger unfliegbar erscheinenden Bedingungen und fast täglichem bzw. zum Glück nächtlichen Regen sind wir *jeden* Tag geflogen. Teilweise mehrstündig und immerhin bis knapp über die Dents (die sind 1850 m hoch). Die kleine Seenrunde blieb uns zwar verwehrt, aber die vielen unerwarteten quasi "geschenkten" Flüge sowie das (tagsüber) überwiegend tolle Sommerwetter
entschädigten locker dafür. Der erstmals gewählte Campingplatz stellte sich als Glückstreffer heraus und wird vermutlich zum neuen PCS-Basislager am Lac d'Annecy werden. Dank an TO und Ersatz-TO für den (Wage-/Über-)Mut sich gegen vermeintlich besseres Wissen schließlich doch zur Abfahrt entschlossen zu haben! Weitere Besuche mit und ohne PCS-Tour sind schon beschlossene Sache.