Seen, Berge, Fliegen in der Zentralschweiz [19. - 22.05.2011] PDF Drucken
Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 19:48 Uhr


Teilnehmer (stehend v.l.n.r.): Achim, Steffen, Martin H., Arthur, Andreas, Regine, Frank D., Rüdiger, Peter, Herbert (Bericht)
(sitzend v.l.n.r.) Stefan (TO), Frank H., Michael, Bodo, Martin S. (Lektor), Klaus sowie die Fotografin Angelika

Zunächst das Gesamtfazit: 17 Teilnehmer haben unter der hervorragenden Organisation und Begleitung von TO Stefan vier wunderbare Flugtage in der Zentralschweiz verbracht!

Dann zu den Details: unser Stammquartier war wie im Vorjahr der Campingplatz Hopfräben in Brunnen direkt am Hausfluggebiet Urmiberg. Unser TO trat unter Schmerzmitteln an – am Vortag nach einer USA-Reise noch im Krankenhaus untersucht und wegen einer Entzündung kaum in der Lage, eine Treppe zu steigen, traf er humpelnd fast pünktlich am Treffpunkt ein, um uns in das Fluggebiet einzuweisen und Kontaktdaten zu verteilen. Später sah man ihn dann sogar fliegen!

Die kleine Gondel für 6 Personen oder 5 Flieger plus z.T. aussen angehängten Schirmen überwindet die rund 700 Höhenmeter jede halbe Stunde oder ab 4 Personen auch zwischendurch nach CH-typischem Durchklingeln. Die Bergstation liegt auf 1.140 Meter. Zum Süd-SP geht es einige Schritte bergab. Dieser SP ist flott steil und erlaubt maximal 3 Fliegern das gleichzeitige Auslegen.
Es war sehr sonnig und alle Teilnehmer (ausser einem Grippepatienten) konnten zunächst ein erstes Thermikschnuppern oder zumindest einen verlängerten Abgleiter mit gigantischer Sicht machen. Am Nachmittag versuchten es die meisten, nach 15-minütigem Aufstieg über den Grat, auf der Nordseite und konnten gut überhöhen bis Quellwolken zum Landen riefen. Rechtzeitig - wenn z.T. auch recht knapp - vor kräftigen Böen waren dann alle sicher am Boden. Der erwartete Regen blieb erfreulicherweise aus und am Campingplatz gab es dann noch ein gemütliches Beisammensein zum Landebier bis weit in die Nacht hinein.

Tag zwei lief programmatisch und vom feucht-labilen Wetterverlauf her sehr ähnlich ab. Vormittags Start nach Süden, nachmittags nach Norden. Der kleine Unterschied: mehrere Flieger kamen vormittags auf Höhen um 2.000 Meter. Quasi im Formationsflug wurde die Rigi (bzw. deren Hauptgipfel Kulm) erobert und anschließend der hervorragende schweizer Nahverkehr getestet :-). (siehe z.B. Flüge von Martin H. oder Regine )
Einige zogen eine fliegerische Rückkehr vor und drehten vor Rigi-Kulm um (so u.a. Stefan und Martin S. ). Rüdiger vereinte doch tatsächlich beide Varianten, flog ganz vor bis zum Kulm, kämpfte dort hartnäckigst und schaffte es „irgendwie" fliegerisch zurück. Respekt!
Später dann wie gehabt wieder Quellwolken, wieder kein Regen, wieder ausgedehnte Landebiersession bis weit in die Nacht. Einige zogen es vor, statt den Camping-Kocher anzuwerfen, den Fliegerhunger in einem Lokal mit Biergarten auf einer Insel mitten im Lauerzer See zu stillen. Leider ist auch ein Leicht-Verletzter zu vermelden: Achim hat sich beim Start den Fuß vertreten und die Bänder gedehnt.

Am Samstag hieß es früher (vom sonnigen und so gemütlichen Frühstückstisch) aufstehen. Nach sonnigem Morgen war wieder Gewitterneigung vorhergesagt, nur diesmal deutlich früher. Der Plan B: Rauf auf den imposanten Fronalpstock. Dazu wurde zunächst ein historisches zum WoMo umgebautes Feuerwehrauto zum Mannschaftstransporter umgebaut und beförderte 9 Piloten (Platz für mehr war verfügbar aber nicht zulässig!) plus 11 pralle Packsäcke (auch da hätten locker noch einige reingepasst!) zur passenden Talstation „Schlattli“ im Muotathal. Von dort Auffahrt mit einem Unikum von Standseilbahn (die steilste für touristische Zwecke gebaute Standseilbahn der Welt mit 78% Steigung) zur autofreien Ortschaft Stoos – im Winter bekannt als durchaus anspruchsvolles und vielseitiges Skigebiet - auf 1.300 Meter (Anm.: die näher gelegene Seilbahn von Morschach nach Stoos befand sich leider in Revision). Von dort mittels zwei Sesselbahnen auf den Fronalpstock (1.922 m). Vom bekanntermaßen thermisch eher inaktiven Fronalpstock dann „nur" ein ruhiger Abgleiter über beinahe 1.500 m entlang des Ufers des Vierwaldstättersees zurück zur Basis Brunnen, bevorzugt natürlich mit thermischem Anschluß an „unserem" Urmiberg.

Real dann oben angekommen ein „Lüftchen" mit zuerst 25 bis 27 Stundenkilometern: „für Anfänger ist das jedenfalls nichts“ hieß es einhellig. Der Autor fühlte sich angesprochen. Er hatte in den letzten zwei Tagen zwar seine Flugbilanz nach dem A-Schein verdreifacht (von 2 auf 6 Alleinflüge), aber wenn selbst alte Hasen Respekt haben ...
Glücklicherweise gab es dann aber Phasen mit Windstärken zwischen 15 und 20 km/h, und (fast) alle Teilnehmer konnten den geplanten Abgleiter mit einem phantastischen Rundumblick durchführen, die meisten sogar mit dem erhofften thermischen Anschluß am Urmiberg (z.B. Martin H. ). Regine hat selbstlos den letzten Startern, die wieder stärkeren Wind hatten, Hilfestellung beim Bändigen der Schirme geleistet und damit auf einen eigenen Start verzichten müssen. Danke Regine!

Der letzte Tag begann erstmals nicht mit blauem Himmel sondern mit 60% Wolken. TO Stefan hatte wieder fleißig zu Hause die Wetterlage studiert und beorderte alle zum Zugerberg: „Da geht’s mit konstant 10 km/h West“.

Gesagt, getan. Zelte abbrechen, bezahlen (in der Schweiz bekanntlich immer wieder ein überraschendes Erlebnis!) und über Schwyz und Goldau auf der Ostseite des Zuger Sees entlang nach Zug. Dort Fahrzeuge verstaut, Gruppenkarte für Standseilbahn besorgt, zum - unglaublich gut gepflegten - SP spaziert, Aussicht genossen und genau vor den noch früher und wiederum beeindruckend sich aufbauenden Quellwolken alle nach einem mehr oder minder verlängerten schönen Abgleiter zur Landung versammelt.

Zum Ausklang gab´s noch einen kurzen Bummel durch die sehenswerte Zuger Altstadt (natürlich weiterhin ohne Regen!). Nach allgemeinem Kaffee (und einem Bier) am Dorfplatz mit Blick auf den See ein herzliches „Schön war´s. Auf bald mal wieder“.

Herbert

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